Nach unserer Ausschreibung waren wir sehr gespannt welche und vor allem wie viele Arbeiten zu dem Titel der diesjährigen Mitgliederausstellung „ÜBERFLUSS“ eingereicht werden würden. Denn im Nachhinein meinten wir, der Titel könnte vielleicht doch etwas zu sperrig sein und viele davon abhalten mitzumachen.

 

Dieses Nach-Denken war völlig überflüssig, denn wir wurden positiv von der Anzahl der teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler überrascht.

 

Und nicht nur von der Anzahl, nein auch von den Aussagen zum Thema Überfluss, die uns hier in die Ausstellung und damit in die Öffentlichkeit geliefert wurden, überraschte uns.

 

29 KünstlerInnen haben Ihr Statement zum Überfluss abgegeben.

 

Es sind bewegende und auch bewegte Arbeiten in den unterschiedlichsten Techniken und Materialien eingereicht worden.

Ingrid Pflaum, zweite Vorsitzende im KMH und Leiterin des Hirtenmuseums

 

Die Arbeiten werden in der Reihenfolge präsentiert, wie man im Hirtenmuseum an ihnen vorbeigehen könnte.

Alle Fotografien von Barbara Henning

Christoph Gerling KAFFEE UND KUCHEN KONTROLLE, 2020 Collage   1.000 €Euro

Christoph Gerling EINE NACHT IM FEUER, 2020 Zeichnung auf Fotografie    1.000 €Euro

 

Luise Oechsler WASSERSPIELE 1 und 2, 2019 Acryl /Mischtechnik     je 900 €Euro

Barbara Henning L’ABBONDANZA, 2020 Foto auf Leinwand 400 €
Der mit 24 Karat vergoldete Turm der Fondazione PRADA in Milano
400 Euro

Anita Magdalena Franz SICHERHEIT, ODER ...?, 2020 Ton - altes Geld       695 €Euro

Gerhard Meingast

KLANGMASCHINE, 2020 Metallobjekt mit Instrumenten, mechanisch, Preis auf Anfrage
RAUM DER BEWEGUNG, 2020 Metall und div. Materialien auf Holz, Preis auf Anfrage

 Uli Olpp MARE DELLE ALPI, 2020 Jurakalkstein/Acrylplatte    500 €Euro

Thomas Palme ÜBERFLUSS JEGLICHER ART , 2020 Acryl /Mischtechnik     300 €Euro

Kornelia Klonen SPENDENÜBERFLUSS Fotografie, Preis auf Anfrage

Gina Bauer KAUFRAUSCH, 2020 Keramik, lackiert,    je Figur 150 €Euro

Dieter Serfas SUPERMAM, 2020 Collage     Preis auf Anfrage

Martin Scheder TOHUWABOHU Holz, Farbe, Knochen        200 €Euro

Martin Scheder MANHATTAN, 2015 Holz, Farbe, Knochen    450 €Euro

Melanie Hehlinger FACING UNCERTAIN FUTURE, 2020 Acryl auf Leinwand     980 Euro€

Ingrid Pflaum PECHMARIES GOLDSTRÄHNE, 2020 Acryl auf Leinwand    700 Euro

Nora Matocza ÜBERFÜLLE, 2020 Öl auf Leinwand      990 Euro

 

Woldemar Fuhrmann IT’S OVER,WHAT’S NEXT I+II, 2018 Cyanotype    Preis auf Anfrage

Woldemar Fuhrmann IT’S OVER,WHAT’S NEXT I+II, 2018 Cyanotype      Preis auf Anfrage

Jutta Schwarz „ABFÄLLE IN DEN MEEREN; DIE EISBERGE SCHMELZEN-DIE LANDSCHAFT VERDORRT “
Mixed Media auf Leinwand      480 Euro €

Agathe Meier ABRISS, 2015 Holzschnitt      190  Euro€

Heinz Thurn DIE GRILLPARTY, 2020 Acryl        2.300 Euro

Balzat, Desto, Hauter, von Staden „WAS SOLLEN WIR KOCHEN“, 2020 Öl auf Leinwand    221 Euro

Ruth Wittmann WIEDERVERWERTUNG, 2020 Tinte und Aquarell      250 Euro

Ina Schilling TEMPORAL, 2010,2020 Kohlezeichnung     1.200 €Euro

Ute Plank AUTARK 2020 Pastell auf Papier      uvk.

Uli Olpp MARE NOSTRUM, 2017 Jura Kalkstein     500 Euro

Omar Gomez Rey ÜBERSCHUSS, 2020 Ölfarbe   Preis auf Anfrage

R.Egenschirm (Werner Taufer) EIN ÜBERFLUSS AN PHANTASIE... 2020 Acryl auf Karton       Preis auf Anfrage

Manfred Elbert FINDE DEN FEHLER, 2020 Computerdruck       Preis auf Anfrage

Reiner Zitta MEIN ÜBERFLUSS I, II, III, IV Fotografie     je 200 Euro

Walter Bauer MITBRINGSEL, 2014 Öl auf Leinwand      300 Euro

BETRACHTUNG VON INGRID PFLAUM, MUSEUMSLEITUNG:

 Die Nummern beziehen sich auf die Preis- und Titelliste, wie sie im Hirtenmuseum ausliegt.

 

Aus Stein, genauer gesagt aus Jura Kalkstein zwei Arbeiten von Uli Olpp, (9 + 28) eine Arbeit heißt Mare Nostrum - unser Meer, (im Raum 3) ein Steinschiff, angefüllt mit Meereswellen, also eigentlich dem Untergang geweiht. Vielleicht bezieht er sich auf die italienische Flüchtlingsrettungsaktion „Mare Nostrum“ ab dem Jahr 2013.

 

Die andere Arbeit von ihm heißt: Mare delle Alpi ist ein absoluter Blickfang im ersten Raum, schon wenn Sie die Treppe emporsteigen nimmt Sie diese „Installation“ auf eine Reise mit…

 

Im gleichen Raum sind noch weitere „erdige“ Arbeiten. Da ist die Skulptur von Anita Magdalena Franz, (6) mit dem Titel Sicherheit, oder…? – ein Kopf aus Ton und altes Geld – sehen Sie sich das an!

 

Ebenso mit Keramik arbeitet Gina Bauer (12) und sie zeigt uns durch Kaufrausch beladene Figuren, deren Ausdruck trotzdem heiter wirkt.

 

Es gibt in der ganzen Ausstellung eine bewegliche Metallarbeit mit Klanginstallation. Unter dem Titel Klangmaschine hat Gerhard Meingast (7 + 8) ein völlig faszinierendes Objekt konstruiert. Auch das daneben hängende Bild mit dem Namen Raum der Bewegung gehört dazu.

 

Eine Collage der seiner Meinung nach überflüssigen Art mit dem Titel Kaffee und Kuchenkontrolle hat Christoph Gerling (1 + 2) geklebt. Es sind die Quittungen, die ja seit diesem Jahr auch in den Bäckereien für jede Semmel ausgegeben werden müssen.

 

Auch er hat eine zweite Arbeit zu unserem Thema eingereicht: Eine Nacht im Feuer. Die Erfahrung eines verbrannten statt getrockneten Quittenbrotes scheint auch überflüssig, nicht jedoch für einen Künstler wie Ihn!

 

Weiter geht es in dem Raum um Überfluss jeglicher Art, nein so natürlich nicht, so lautete der Titel der Malerei mit Mischtechnik von Thomas Palme (10).

 

Kornelia Klonen (11) zeigt uns einen Spendenüberfluss, so der Titel, der anderen Art. Es soll sich ja grade seit der Corona-Krise sehr viel davon angesammelt haben.

 

Der Superman von Dieter Serfas (13), eine Collage, wie wir es von ihm kennen, kommt mir ehrlichgesagt etwas eingemüllt und sehr hilflos vor.

 

In dem ersten Raum befinden sich aber noch zwei weitere Arbeiten, die Raum geben zum Nachdenken.

 

Da wären einmal zwei großformatige Acryl-Mischtechnik-Arbeiten von Luise Oechsler (3 + 4) mit dem Titel Wasserspiele 1 und 2. Eine Farbwucht, die ich überhaupt nicht überflüssig finde, ganz im Gegenteil.

 

Gleich daneben hängt die Foto Arbeit von Barbara Henning (5). Sie kreiert immer wieder sehr spezielle Bildüberlagerung, hier u. a. der mit 24 Karat vergoldete Turm der Fondazione Prada in Mailand. L‘ abbondanza - die Fülle, nennt Sie ihre Arbeit.

 

Wir gehen in den zweiten Raum, und hier treffen wir auf zwei sehr bizarre, vielleicht auch befremdliche Arbeiten von Martin Scheder (14 + 15). Blanke Knochen, große und winzig kleine, von unterschiedlichen Lebewesen, fein zersägt und neu geordnet – obwohl der erste Titel Tohowabohu heißt, sieht es doch „nach Plan“ aus. Hingegen bei der zweiten Arbeit liegt ein großer Plan zugrunde, der eines berühmten amerikanischen Stadtteils. Vielleicht erkennen sie ihn?

 

Auch die Arbeit von Melanie Hehlinger (16) berührt ungemein. Extreme Verletzlichkeit auf beiden Seiten, wie ich meine. Facing uncertain future – ja, mit ungewisser Zukunft stehen sich beide gegenüber.

 

Unter dem Titel Pechmaries Goldsträhne sehen Sie eine Arbeit von Ingrid M. Pflaum (17). Sie fragt mit ihrer Arbeit: „Wäre die Pechmarie nicht die eigentliche Goldmarie?“

 

Die Überfülle, so der Titel von Nora Matocza (18) ist in jeder Stadt täglich direkt vor aller Augen, zumindest in der rush hour. Eigentlich ist es eine chaotische und anstrengende Vorstellung, aber so gemalt wie von Nora wirkt die Überfülle unglaublich schön.

 

Mit zwei Arbeiten, die den gleichen Titel tragen nämlich It‘s over, what‘s next lässt uns Woldemar Fuhrmann (19 + 20) etwas ratlos, auswegslos vor den jedoch sehr ästhetischen Cyanotype-Arbeiten stehen.

 

Hingegen Jutta Schwarzs (21) Mixed Media Arbeit sagt bereits in dem Titel alles: Abfälle in den Meeren, die Eisberge schmelzen, die Landschaft verdorrt.

 

In der Betrachtung von Agathe Meiers (22) Arbeit mit dem Titel Abriss stellt sich mir die Frage: was steht hier vor dem Abriss – das was ich sehe, will ich wahrscheinlich nicht wahrhaben…

 

Die Grillparty eine Acrylmalerei von Heinz Thurn (23) zeigt ein saumäßiges Vergnügen, bei dem einem jedoch der Bissen im Halse stecken bleiben könnte.

 

Im dritten Raum hängt eine Arbeit von einem Künstlerkollektiv. Sie heißen Balzat, Desto, Hauter und von Staden (24). Was sollen wir kochen lautet der Titel ihrer Arbeit. Meine Antwort beim Anblick des Gemäldes: was soll ich dazu sagen, macht am besten was ihr wollt!

 

Ruth Wittmann (25) thematisiert in ihrem Tinte und Aquarell-Bild das „containern“ und nennt ihre Arbeit Wiederverwertung – wie gut bzw. wie günstig lebt es sich doch vom Überfluss des Handels, scheinen die verschmitzten Gesichter zu sagen.

 

In der Kohlezeichnung von Ina Schilling (26) mit dem Titel Temporal werden wir Betrachter einer schwierigen Situation von im Wasser stehenden Menschen, mit schmerzlich fragenden Gesichtsausdrücken…

 

In der Arbeit von Ute Plank (27) sehen wir das Gegenteil. Autark nennt sie ihr Pastell, das auf einer metaphorischen Ebene die Unabhängigkeit von der Gesellschaft zeigt.

 

In die Malerei von Omar Gomez Rey (29) können Sie sich in einen Überschuss, so der Titel, von blau-grün Tönen schwelgend hineinfallen lassen.

 

R. Egenschirm (30) alias Werner Taufer bringt einen Ausruf oder ist es Aufruf mit seinem Titel: Ein Überfluss an Phantasie schadet nie! schmunzelnd auf den Karton.

 

Auf dem Computerdruck von Manfred Elber (31) blickt uns ein kritischer Smily entgegen, wenn er uns denn auffällt. Im Hintergrund befinden sich ca. 1600 Emotis und der Titel lautet: Finde den Fehler – Hier viel Vergnügen zu wünschen wäre sarkastisch!

 

Walter Bauer (33) hat uns ein Mitbringsel mitgebracht, so der Titel. In echt wäre es uns doch lieber…also könnten wir sagen das Gemälde ist überflüssig? Nein, natürlich nicht!!!

 

Über den Titel von Reiner Zittas (32) Beitrag Mein Überfluss lässt sich streiten oder auch nicht…auf alle Fälle ist es ein ungewöhnlicher, oberflächlicher Beitrag von ihm, der tief blicken lässt.

 

Einen erhellenden, horizontöffnenden Gang durch die Ausstellungwünsche ich Ihnen, Ihre Ingrid Pflaum

 

Hier die Rede von Horst Arndt-Henning, Wirtschaftswissenschaftler und Sozialökonom

 

 

Überfluss

 

Gedanken anlässlich einer gar nicht überflüssigen Ausstellung

 

Sehen wir uns die Apfelernte dieses Jahres an: überall jede Menge Früchte. Eine verschwenderische Vielfalt, ein Reichtum, ein Überfluss. Die Natur feiert sich selbst.

 

Und wie halten wir es? Auch wir Menschen produzieren im Überfluss, wissen gar nicht mehr wohin mit den Sachen, der Wahlspruch heißt: kaufen, kaufen, kaufen - das ist gut für die Wirtschaft. Was uns dabei nicht gelingt, ist eine einigermaßen gerechte Verteilung. Von knapp acht Milliarden Menschen auf der Welt hungern 800 Millionen. Und wir selbst wissen mit unserem eigenen Überschuss nicht umzugehen: ein Drittel aller Lebensmittel landet auf dem Müll, eine maßlose Verschwendung.

 

Die Natur produziert Überfluss, verschwendet, fließt über. Ihr einziger Zweck ist Erhaltung und Vermehrung, ein ständiger Kreislauf von Leben, Sterben, wieder Verwerten. Der Überschuss wird umgewandelt, von Mikroben zu Humus verwandelt, zu neuer fruchtbarer Erde. Auf den ersten Blick machen wir es ähnlich, indem unser industrieller Überfluss als Investition für die nächste Produktionsperiode dient. Und doch gibt es einen grundlegenden Unterschied: während sich die Natur in einem immer währenden, sich selbst erhaltenen Kreislauf bewegt, geht es uns um die permanente Steigerung des Ertrags, führen wir den Überschuss nicht zurück in den Kreislauf, sondern führen ihn aus diesem heraus, auf eine unendliche und unermesslich ansteigende Gerade.

 

Uns geht es um die permanente Wiederanlage, dort investieren, wo es am rentabelsten ist im Sinne von mehr wirtschaftlichem Ertrag, mehr Profit. Immer mehr produzieren, nicht für den eigenen Bedarf, sondern für ein abstraktes Prinzip der Vermehrung, der Bereicherung. Das führt zur ständigen Suche nach neuen Produkten und neuen Absatzgebieten, zu einem unablässigem Wachstum.

 

Aus Gebrauchswerten, also Produkten, die wir sinnvoll nutzen können, werden so Warenstrukturen, Absatzmärkte, die zu lenken und zu manipulieren sind. Aus Menschen mit Bedürfnissen werden Konsumenten, die mit ihrer Kauflust die Wirtschaft in Schwung halten sollen. Statt einer dem Gemeinwohl verpflichteten Wirtschaftsweise entsteht eine dem Kapital verpflichtete Wirtschaftsethik und Politik.

 

Damit einhergehend werden Bodenschätze ohne Rücksicht auf ökologische Schäden ausgebeutet, wird aus dem Reichtum der Natur eine Knappheit an Ressourcen, werden Wasser, Luft und Lebewesen einer kurzfristigen Marktlogik geopfert. Noch sind wir weit davon entfernt, die Erde als eine uns zur Nutzung und nicht „Vernutzung“ anvertraute Gabe zu betrachten und zu behandeln.

 

Die Ausstellung zeigt viele Facetten unseres Umgangs mit Überfluss, vom Kaufrausch über Flucht und Entbehrung, bis zum gemeinsamen Leiden des seines Lebensraumes beraubten Eisbären mit der zurückgelassenen künftigen Generation.

 

 

 

Und zum Abschluss der ausgezeichnete Artikel von Susanne Baderschneider in der Hersbrucker Zeitung:

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