Die Sprache des Architekten 

 

Kunstmuseum Hersbruck zeigt Zeichnungen aus 150 Jahren von Architekten aus Hersbruck und Umgebung 

 

„Was hat eine architektonische Zeichnung mit Kunst zu tun?“ und in der Folge: „Was haben Architekturzeichnungen im Kunstmuseum verloren?“ Leicht provokante Fragen, gestellt von Museumsleiter Uli Olpp, selbst als Architekt ausgebildet, zur Eröffnung der neuen Schau „Architektur Zeichnung“ im Kunstmuseum Hersbruck. Die Fragen waren angesichts der ästhetischen handkolorierten Zeichnungen von Louis Fiedler fast schon beantwortet. Auch einen Bezug zu Hersbrucker Architekturträumen stellt die Ausstellung in Form der Diplomarbeit von Eduard Kappler her.

 

„Wenn die Vorstellung von Eduard Kapplers feudalem Rathausbau verwirklicht worden wäre, bräuchten wir uns heute über die Gestaltung von Plätzen im Stadtraum keine Gedanken zu machen- es wären nämlich keine mehr da“, scherzte Bürgermeister Robert Ilg angesichts des imposanten L-förmigen Baus mit Säulengängen zum Rauenbusch-Gebäude und einem Torbogen zur Poststrasse, das sich Eduard Kappler in seiner Diplomarbeit 1937 vorgestellt hatte. Doch die kleinformatigen, präzise gezeichneten Pläne, in denen Hersbrucks Zentrum mit seinen steilen Dächern leicht zu erkennen ist, sind ja eine Vision, die „Aufzeichnung eines Traums“, wie Uli Olpp es formulierte. „Der Architekt hat die Aufgabe, den Schatz des Lebens zu heben.“ Jeder Bauherr wünsche sich etwas Besonderes, dabei sei es auch wichtig, die bauliche Präsenz im Umraum nachhaltig und ressourcenschonend zu verwirklichen, dabei Geborgenheit, Schutz und Heimat schaffen. Oder: „Schön soll es ein, aber kosten darf es nichts,“ wie Robert Ilg die Realitäten des Städtebaus zusammenfasste.

Erste Skizzen könnten, so Uli Olpp, dabei helfen, die Vision aus dem Kopf auf das Papier zu bringen und auch für die Auftraggeber sichtbar zu machen. „Die Zeichnung ist die Sprache des Architekten“, zitierte er das Credo der kanadischen Architektur-Ikone Louis Kahn.

Und Zeichnungen gibt es viele zu sehen: konzeptuell, versponnen und baufertig. Exponate von Bernhard Olpp, seinem Sohn Uli Olpp, von Eduard Kappler, Hans Hesselbach die faszinierenden, Transparenten „Schichten eines Zeichentischs“. Klaus und Sebastian Thiemann zeigen im oberen Stockwerk Wege von der ersten Idee bis zu Schlüsselfertigkeit, ebenso gibt es Ideen, die nie verwirklicht wurden, wie Eduard Kapplers Rathauserweiterung und Uli Olpps originelle „Beziehungs-Kisten“, ein Wettbewerbsbeitrag für den „Garten für Verliebte“ in Meran

 

Ästhetisch enorm ansprechend sind die Zeichnungen und Gemälde von Louis Fiedler. Die Arbeiten des Vorfahren von PPG-Pädagogin Monika Mergler hatten den Anstoß zur Ausstellung gegeben und füllen nun das Erdgeschoss. Ausgewählt von Uli Olpp und Kunsterzieherin Karin Plank-Hauter und entliehen aus dem Stadtarchiv Nürnberg unter Mitwirkung von Maria Horn vom Amt für private Überlieferung zeigen sie bauliche Details ebenso wie ganze Häuser. Monika  Mergler erzählte launig und lebhaft aus dem Leben ihres 1878 geborenen Großonkels, der das typische Leben eines jüngeren Sohnes mit weniger Verantwortung und mehr Möglichkeiten zur Verwirklichung eigener Träume führen durfte. Seine Karriere als Architekt, ausgebremst durch den ersten und letztlich beendet durch den zweiten Weltkrieg wird durch Skizzen, Gemälde und Handwerkszeug wie den Aquarell- und Zirkelkasten nachgezeichnet.

 

Die Ausstellung ist bis zum 17. Juli jeweils Samstags und Sonntags von 15 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ins Kunstmuseum im Torwärterhäuschen der Amberger Straße 2 ist frei. Über Spenden freut sich das ehrenamtlich arbeitende Team.

 

 

Fotos:

 

Fiedler Kurhaus: Im Jahr 1903 entwarf Architekt Louis Fiedler ein Kurhaus. Die Tuschezeichnung ist mit Aquarell koloriert.

 

Fiedler Skizze: Aus den Reiseskizzenbüchern des lebensfrohen Architekten Louis Fiedler stammt diese Tuschezeichnung von 1895.

 

Louis Fiedler Wohnhaus: Sein prächtiges Wohnhaus in der Nürnberger Meuschelstraße hielt Architekt Louis Fiedler 1912 in Gouachefarben fest.

 

Zirkel Louis Fiedler: Das Arbeitsgerät eines Architekten des vergangenen Jahrhunderts: eine Sammlung von Zirkeln aus dem Nachlass von Louis Fiedler.

Impressionen von der Eröffnung am 28. April 2022

KUNST IM FLUSS WAR ZURÜCK

WERTVOLLER DOPPELKATALOG 2019/2020 FÜR 20 EURO ERHÄLTLICH

Kunstobjekte in-an-über der Pegnitz, das ist in Hersbruck bereits ein Erfolgsformat. Coronabedingt musste die dritte Runde der Freiluftkunstausstellung pausieren- nun konnte sie nach 2018 und 2019 wieder stattfinden. 24 deutsche und italienische Kunstschaffende haben sich die malerisch durch Hersbruck mäandernde Pegnitz als Inspirationsquelle genommen. Es gab auf dem Wasser schwebende Luftkissen mit einem Shakespeare-Zitat, mit anmutigem Ernst die Brücke zum Wassertor bewachende, mit Kettensäge ausgesägte Holzfiguren, skurrile Wasserfuhrwerke, eine klingende und scheppernde Maschinerie im Mini-Wasserfall, Spiel mit den Spiegelungen und vieles mehr. Als besonderes Schmankerl gibt es zum dritten Geburtstag der von Christoph Gerling initiierten und kuratierten und vom Team des Kunstmuseums Hersbruck ehrenamtlich realisierten Schau einen reich bebilderten Doppelkatalog 2019/2021 mit Informationen zu den Künstlern und Künstlerinnen und ihren Werken. Die Eröffnung mit dem Erstverkauf des Katalogs war am 13. August.

Der wertige und sehr ästhetische Doppelkatalog ist für 20 Euro erhältlich. Sprechen Sie uns an!

 

Das Team des Kunstmuseums Hersbruck trauert um Vittore Bocchetta, der im Alter von 102 Jahren in seiner Heimat in Bologna verstorben ist. 2019 durften wir anlässlich seines 100. Geburtstages eine Ausstellung seiner Werke im Kunstmuseum realisieren und Vittore Bocchetta hatte sich mit einer hellwachen Videobotschaft zugeschaltet.

Sein wacher Geist, sein Mühen um Versöhnung, sein Wirken als Zeitzeuge und sein Kunstschaffen wird uns fehlen.


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