Sonntagsführungen durch die Ausstellung Werner Knaupp

Sonntagsführungen durch Ute Scharrer Plank finden statt am 23. Oktober um 17 Uhr, am 20. November (Totensonntag) um 11 Uhr und zum zweiten Advent am 4. Dezember um 16 Uhr mit Punsch und Plätzchen statt. Bitte melden Sie sich wegen begrenzter Teilnehmerzahl direkt unter utilis@gmx.de an. Die Führung kostet 5 Euro.

 

Weitere Sonntagsführungen können Sie erfragen unter info@kunstmuseum-hersbruck.de

Provinz findet im Kopf statt

 

Den weltweit ausgestellten Künstler Werner Knaupp zieht es ausgerechnet in Hersbrucks winziges Kunstmuseum- Ein Atelierbesuch

 

Er müsste in einer der Metropolen wohnen, wo die Kunst sich ständig selbst erneuert und die Kultur keine Pause macht. Doch Werner Knaupp hat die Großstadt als Quelle der Inspiration für seine Kunst nie gebraucht und wird sie nie brauchen. Ihn interessieren allein die Kraft und Energien der Natur weltweit. Wer den Maler Werner Knaupp besucht, darf sich auf die Suche nach dem Dörfchen Ernhofen mitten im Alt-Nürnberger Land machen, wo die Strasse kurz nach seinem Anwesen endet. Werner Knaupp ist ein weit gereister Mann - es geschah allerdings auch, dass die Welt zu Werner Knaupp kam. Weltberühmte Musiker, Bergsteiger, Menschen aus Industrie und Politik, Kollegen, Museumsdirektoren und auch der Bundespräsident Walter Scheel waren zu Besuch im Atelier.

 

 

Der 1936 geborene Maler Werner Knaupp hat sich immer wieder an die Grenzbereiche des menschlichen Lebens vorgewagt, dorthin, wo viele nicht hindenken oder gar hinschauen möchten. Das Geheimnis um den Tod, über den in seinem Elternhaus nie geredet wurde, ließ ihn lebenslang nicht los. Knaupps Reisen in extreme Landschaften wie das ewige Eis, Gebirge, Wüsten und Vulkane, die „Schaltstellen der Erde“, an die er sich gefährlich nahe heran begab, sind nur ein Aspekt. Die Arbeit in einem Nervenkrankenhaus in Bayreuth, im Krematorium in Nürnberg und im Sterbehaus der Mutter Teresa in Kalkutta waren ebensolche Versuche, die Grenzbereiche menschlicher Existenz - und die eigenen Möglichkeiten - auszuloten: psychische Erkrankungen, das Sterben und was danach kommen mag. Nicht nur hinauszuschauen, sondern auch in sich hinein, um zu sehen, wie er reagiert, war und ist Knaupp wichtig, dabei habe er unheimlich viel gelernt. Heute sagt der 86-Jährige: „Das Sterben ist der spannendste Moment des ganzen Lebens. Wir wissen nicht, woher wir kommen und wohin wir gehen, doch wir wissen, dass die Natur eine ständige Umwandlung von Energie bedeutet. „Meine vordergründige Furcht vor dem Tod ist verschwunden“, so Knaupp. Die Einschränkungen, die mit dem Alter kommen, kämpft er energisch und zuweilen ungeduldig nieder.

 

Wer denkt, im Haus eines so existentiell in seiner Malerei forschenden Künstlershabe die Lebensfreude keinen Platz, der irrt. Im großen Wohnraum mit dem unverstellten Blick in die mittelfränkische Weite und zu den vor Dekaden selbst gepflanzten Obstbäumen, zeigen der Maler und seine Frau Barbara die Zeichnungen ihrer Enkelkinder, die seit Jahren einen Ehrenplatz im Raum einnehmen. Hier hängen sorgfältig ausgeführte Bleistiftporträts und witzige Bildergeschichten. Ums Eck dann wieder große Leinwände mit den Worten „Mord“ und „Abuse“ (Missbrauch), in denen sich Knaupp mit Zuständen in der Gesellschaft und der Kirche kritisch auseinandersetzte. Noch einmal ums Eck hängen und lehnen Werke seiner berühmten Künstlerkollegen, mit denen Knaupp ausgestellt und Werke getauscht hat. „Ein Stück Identität“, merkt Knaupp an.

 

Zum Atelier geht es steile Stufen hinab und durch farbbesprenkelte Vorhänge fällt Licht auf die neuesten Arbeiten. Auf lebhaften, atmosphärischen Oberflächen pulsieren starke Kontraste zwischen feurigen Gelb- und Rottönen und einem tiefen Schwarz. Die Eruptionen eines Vulkans sind zu erkennen. Auf die auf dem Atelierboden liegenden Malgründe wird mit Acrylfarbe gegossen und gespritzt. Das erzeugt einen anderen Eindruck als gemalte Flächen, die Schüttungen wirken spontan, organisch. Die vielen Schichten machen die Bilder sehr schwer. Der mit Farbe zentimeterdick besprenkelte Atelierboden legt Zeugnis vom intensiven Schaffensprozess ab. Erst bei näherer Betrachtung und im richtigen Licht tauchen aus tieferen Regionen der Farbschichten die Umrisse von Totenköpfen wie eine Erscheinung hervor. Um deren Form hat Knaupp jahrelang gerungen. Seine Frau Barbara, die sich seit Beginn ihrer im Studentenalter begonnenen Beziehung um die vermeintlich profaneren Seiten des Kunstschaffens ihres Mannes kümmert, ist auch eine hoch geschätzte Kritikerin.

 

 „Wenn Innen und Außen in einem Gemälde identisch sind, dann ist ein Bild vielleicht fertig“, so Knaupp. 50 Jahre sind seit einem Aufstieg zum Ätna vergangen, damals beobachtete er einen Ausbruch „in seiner überirdischen Pracht“ aus allernächster Nähe, seine Knie zitterten, das Erlebnis hat ihn nie mehr losgelassen. Auch der Beinahe-Sturz aus dem Helikopter beim Überfliegen eines Vulkans auf Hawaii ist unvergesslich. Die Eindrücke von damals sind bei Werner Knaupp so frisch, dass sie sich in diesen aktuellen Arbeiten Ausdruck suchen. „Das sind Erlebnisse, die nach innen wachsen,“ stellt der Künstler fest. „Zunächst bedeutet ein Vulkanausbruch Tod. Flora, Fauna und Menschenwerk werden vernichtet.“ 

Es geht jedoch nicht um Tod und Sterben per se: im Angesicht der Endlichkeit aller Dinge intensiviert sich das Leben. Knaupps Gemälde sprühen vor Energie und Lebenskraft, das klingt im Titel der in Hersbrucker geplanten Ausstellung „Feuer - Wasser - Leben“ an.

Im Kunstmuseum werden die „Feuer“-Gemälde im Obergeschoss zu sehen sein, im Erdgeschoß „Wasser“-Bilder. 

Mit diesen konfrontiert, dauert es nur wenige Augenblicke, bis die in grau, weiß und schwarz gehaltenen „Seestücke“ mit aufgewühlten Wellen und den markanten Felsformationen der Westmännerinseln ein Gefühl des Ausgesetztseins in den Elementen hervorruft, ein Schaukeln in der Magengrube, kühle Gischt fast auf der Haut zu spüren - so monumental, so bewegt, so kraftvoll sind diese Gemälde.

Die unvergesslichen Eindrücken unter Wasser, als er auf Hawaii in einer Tauchkapsel die lichtlose Tiefe erreichen konnte, hat Werner Knaupp begriffen, dass ab einer Tiefe von 100 Metern die Dunkelheit absolut wird. „Die Ozeane sind alle schwarz, die Spiegelung auf der Oberfläche ausgenommen.“

Da begann er 2002 spät in seiner Laufbahn überhaupt erst zu malen. Vorher gestaltete er Skulpturen, zeichnete mit Pastell und in seiner gewohnten Intensität auch mit dem eher ungewöhnlichen Medium des Kugelschreibers. 

Zehn Jahre brauchte er, um Wasser zu malen. „Ich male nicht nur, was ich sehe, sondern was ich weiß!“.  Es gibt Leinwände, die komplett schwarz sind, nur die Bewegung, der Sog des Elements Wasser ist haptisch zu erfühlen und wird im richtigen Licht sichtbar wie ein aus dem Fluss geschöpftes Viereck.

„Ich musste zum Wasser werden,“ so formuliert es Knaupp, „manchmal war ich fast seekrank“.

Die Professur an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg stellte in seinem Kunstschaffen eine Zäsur dar. Seine Engagement für die Studenten kostete Zeit, für die außergewöhnlichen Reisen mit seiner Klasse, etwa in die Sahara, nach New York und Auschwitz, trieb er enorme Spendensummen auf und stiftete sein Preisgeld vom NN-Kunstpreis.

Im Atelier mit den sorgfältig geordneten Bildbänden, die eigene Interessen, internationale Ausstellungsbeteiligungen und die Ziele einer intensiven Reisetätigkeit widerspiegeln, sticht eine Art „Scheiterhaufen“ aus zerlegten Holzleisten und zerschnittenen, von Farbschichten beschwerten Leinwandfragmenten ins Auge, von Knaupp bewusst gestaltet. „Kunst bedeutet Scheitern,“ sagt er dazu, „nach oben ist immer Luft!“.

 

Die Erlebnisse dieses intensiv gelebten Lebens können gar nicht alle erzählt werden. Vom „Atelier auf 3000 Meter“ erzählt Werner Knaupp, fast schwärmerisch beschreibt er die Schönheit von Mondnächten auf der Zugspitze, wo er ein Atelier hatte, ermöglicht vom Vorstandsvorsitzenden der Zugspitzbahn, Dr. Peter Hirt. Und erzählt davon, wie er dann mit dem damaligen Leiter der Kunsthalle Nürnberg, Dr. Lucius Grisebach die „Galerie der Bayerischen Zugspitzbahn“ ins Leben rief.

Von der 18 000-Kilometer-Reise 1974 mit Fotojournalist Dieter Blum und Dr. Karl-Ernst Buck im VW-Bus von Dhakar durch die gesamte Sahelzone bis Mombasa am Indischen Ozean, bis Kapstadt und ans Kap Hoorn und der Verhaftung durch die Schergen Idi Amins. Abenteuer, die heute kaum mehr vorstellbar erscheinen. Eine Reise voller Eindrücke, die in Knaupps erfolgreichste Schaffensperiode fiel.

 

Und wie kommt es nun, dass ein Maler, der in Galerien und Museen in ganz Deutschland, auf der Documenta und auch international vertreten war und ist, im Kunstmuseum einer Kleinstadt wie Hersbruck ausstellt, das an Quadratmetern zu den kleinsten Schauorten überhaupt zählen dürfte? Die posthume Werkschau seines Malerkollegen und Freundes Walter Raum 2020 in Hersbruck, für die er dort die Laudatio hielt, überzeugte ihn von der ambitionierten Arbeit des ehrenamtlichen Museumsteams. Und, so antwortet er auf die verwunderte Nachfrage: „Provinz findet im Kopf statt!“.

 

Die Ausstellung mit Werken Werner Knaupps findet vom 9.Oktober bis 11. Dezember im Kunstmuseum Hersbruck im Torhüterhäuschen in der Amberger Straße 2 statt. Zur Eröffnung der Ausstellung am Sonntag, den 9.Oktober um 11 Uhr sprechen Dr. Daniel Hess, Generaldirektor des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg und Uli Olpp, Leiter des Kunstmuseums Hersbruck. Die Ausstellung in der Amberger Straße 2 in Hersbruck wird Freitag und Samstag von 16 – 18 Uhr geöffnet sein, Sonntags nur mit vorheriger Anmeldung und Buchung einer Führung(siehe oben!)

FEUER - WASSER - LEBEN

 

Der Künstler Werner Knaupp stellt im Kunstmuseum Hersbruck aus

 

Der vielfach preisgekrönte deutsche Maler und Bildhauer Werner Knaupp hat in ganz Deutschland und der Welt ausgestellt, seine Reisen haben ihn weit über die komfortablen Reiseziele unserer Zeit hinausgeführt und Grenzerfahrungen an den unbehaglichsten Orten der menschlichen Existenz haben sein Schaffen geprägt. Seine malerischen Interpretationen der Elemente Feuer und Wasser zeigt er nun für 8 Wochen im Kunstmuseum Hersbruck.

Mit temperamentvollen, durch Schüttungen erreichte Farb-Eruptionen tastet er sich an die feurige Kraft eines Vulkanausbruches heran, für seine haptischen Wellen und Strömungen rund um das Phänomen Wasser genügen ihm Schwarz und Weiß. Die räumliche Beschränkung im Torwärterhäuschen am Spitaltor kann ein besonders intensives Erleben der kraftvollen, gleichzeitig auf das Todbringende der Elemente und die Lebenskraft dahinter hindeutenden Gemälde ermöglichen.

 

Zur Eröffnung der Ausstellung am Sonntag, den 9.Oktober um 11 Uhr sprechen Dr. Daniel Hess, Generaldirektor des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg und Uli Olpp, Leiter des Kunstmuseums Hersbruck. Die Ausstellung in der Amberger Straße 2 in Hersbruck dauert bis 11. Dezember und wird Freitag und Samstag von 16 – 18 Uhr geöffnet sein, Sonntags nur mit vorheriger Anmeldung und Buchung einer Führung. Kontakt zur Terminvereinbarung und Preise  werden rechtzeitig an dieser Stelle veröffentlicht!

 

Werkfotos von Annette Kradisch

WICHTIG!

EINLADUNG ZUR MITGLIEDERAUSSTELLUNG 2022 MIT DEM THEMA: WICHTIG!

 

DIE AUSCHREIBUNG FINDEN SIE OBEN IN DER NAVIGATION UNTER DEM REITER WICHTIG! 

Regionale Kunst unter dem Hammer

 

Zum zweiten Mal wurde zugunsten der Kunst in Hersbruck eine Versteigerung abgehalten

 

 

„Zum ersten, zum zweiten und zum Dritten…“, Auktionator Götz Reichel lässt den Hammer auf sein Pult krachen und hat ein weiteres Kunstwerk verkauft. Bei der zweiten Runde der Kunstversteigerung zugunsten der Kunst im Öffentlichen Raum in Hersbruck zog die Auktion mehr Bieter an, die sich lebhafte und gut gelaunte Bieterstreite lieferten. Rund 50 Werke hatten regionale Kunstschaffende gespendet und auch die Kunstszene von Ferrara steuerte Einiges bei.

 

 Die Künstlerinnen und Künstler, die Initiator Christoph Gerling um einen Beitrag gebeten hatte, profitieren von der Versteigerung nur sehr indirekt: wenn Formate wie „Kunst im Fluss“ und der „Kunstspaziergang“ weiterhin existieren, bieten sie auch Ausstellungsmöglichkeiten. Ganz direkt profitieren die Kunstliebhaber: sie konnten am gestrigen Abend wieder Schnäppchen machen. Kunstauktionen haftet das Etikett „elitär und teuer“ an, in Hersbruck zu Unrecht. Wurde ab und an die Schallmauer von 100 Euro für ein Originalwerk durchbrochen, gab es „Ohs und Ahs“ im Publikum. Götz Reichel scherzte zwar, er nehme auch Tausender, doch das teuerste Werk, ein mittelformatiges Ölgemälde von Luise Oechsler, kam für 160 Euro unter den Hammer. Dazulernen war auch möglich, und zwar ganz umsonst: Christoph Gerling erklärte seinem lernwilligen Auktionator Götz Reichel, dass es bei Kunstwerken nicht „bunt“ heiße, sondern „farbig“, erläuterte das Prinzip des Siebdrucks und des Holzschnitts und bot im Plauderstil Anekdoten zu den Kunstschaffenden. Heiße, wenn auch immer gut gelaunte Bieterstreite entbrannten etwa um ein Porträt in Öl von Nora Matocza oder einen kleinen Siebdruck von Ramona Wagner. Ein großformatiges Ölbild von Gerd Meingast ging an eine begeisterte neue Besitzerin und auch der Holzschnitt von Heinz Thurn mit dem schönen Titel „Machen wir es jetzt in der Nacht oder am Tag?“ fand ein neues Zuhause. 

Rund 1800 Euro zählte am Ende des Abends Gastgeberin Ingrid Pflaum vom Hirtenmuseum, die selbst auch ein dreiteilige Farbfeld-Malerei verkaufen konnte, zusammen. „Das machen wir wieder!“, versprachen sich die Initiatoren. Dann lassen sich vielleicht noch mehr Kauflustige anlocken.

 

 

 

 

Rückblick bei Cool Jazz und Häppchen

 

Das Kunstmuseum Hersbruck holte den zwanzigsten Geburtstag um zwei Jahre verspätet nach

 

Dieser Veranstaltungsort war für die Jubiläumsfeier des Kunstmuseums Hersbruck ein Geheimtipp und bei den hohen Temperaturen einer der angenehmsten Orte, um sich aufzuhalten: im Graben zwischen dem seit 22 Jahren bestehenden Kunstmuseum und der Mühlstraße warfen die hohen Mauern der Stadtbefestigung angenehmen Schatten, es wurden mediterrane Häppchen angeboten und Gerlinde Berger und Dieter Serfas boten an der Sektbar prickelnde Getränke an. Wie eine sanfte Prise wehte die lässige Jazzmusik von Saxophonist Achim Goettert durch den Stadtgraben, die Formation „Faces“ mit Peter Pelzner an der Gitarre, Hendrik Gosmann am Bass und Charles Blackledge am Schlagzeug groovte die zahlreich erschienenen Gäste in Sommerstimmung. Im Museum selbst waren nur für einen Tag illustrierte Gedichte von der Original Hersbrucker Bücherwerkstätte zu sehen und Restbestände aus dem Kunstomat Hersbruck konnten zum Schnäppchenpreis erworben werden. Der Rückblick auf zwanzig Jahre Ausstellungen im Kunstmuseum plus zwei Jahre Corona-Zeit, in der keine Festivitäten möglich waren, wurde durch Plakate dokumentiert. Viele Wegbegleiter schauten vorbei, um diesem Kulturort unter angenehmsten Bedingungen die Ehre zu erweisen.

 

Warum kein Kunstspaziergang 2022?

 

2020 konnte das Jubiläum coronabedingt nicht gebührend gefeiert werden. Statt dessen hatte sich das Team des Kunstmuseums ein neues Ausstellungsformat einfallen lassen. Ein „Kunstspaziergang“ sollte möglichst allen Bürgern einen niederschwelligen Zugang zu Kunstwerken ermöglichen und Künstlern der Region eine Ausstellungsmöglichkeit in Pandemiezeiten 

bieten. 

So waren mit 44 Kunstwerken ein abwechslungsreiches Kunst-Flanieren quer durch die Stadt möglich. Diese großen Erfolge wollte das Team des KMH eigentlich auch diesen Sommer 2022 wieder mit einem Kunstspaziergang wiederholen. Da jedoch der Kunstwettbewerb ErinnerungsRÄUME des Dokuvereins mit seinen beeindruckenden künstlerischen Ideen und Kunstinterventionen weit in den Sommer hinein reicht, wurde mit der Stadt Hersbruck vereinbart, im Öffentlichen Raum keine weitere Kunstausstellung in diesem Jahr zu planen, die dann in Konkurrenz mit diesem wichtigen Thema treten würde.

 

 

Die Sprache des Architekten 

 

Kunstmuseum Hersbruck zeigt Zeichnungen aus 150 Jahren von Architekten aus Hersbruck und Umgebung 

 

„Was hat eine architektonische Zeichnung mit Kunst zu tun?“ und in der Folge: „Was haben Architekturzeichnungen im Kunstmuseum verloren?“ Leicht provokante Fragen, gestellt von Museumsleiter Uli Olpp, selbst als Architekt ausgebildet, zur Eröffnung der neuen Schau „Architektur Zeichnung“ im Kunstmuseum Hersbruck. Die Fragen waren angesichts der ästhetischen handkolorierten Zeichnungen von Louis Fiedler fast schon beantwortet. Auch einen Bezug zu Hersbrucker Architekturträumen stellt die Ausstellung in Form der Diplomarbeit von Eduard Kappler her.

 

„Wenn die Vorstellung von Eduard Kapplers feudalem Rathausbau verwirklicht worden wäre, bräuchten wir uns heute über die Gestaltung von Plätzen im Stadtraum keine Gedanken zu machen- es wären nämlich keine mehr da“, scherzte Bürgermeister Robert Ilg angesichts des imposanten L-förmigen Baus mit Säulengängen zum Rauenbusch-Gebäude und einem Torbogen zur Poststrasse, das sich Eduard Kappler in seiner Diplomarbeit 1937 vorgestellt hatte. Doch die kleinformatigen, präzise gezeichneten Pläne, in denen Hersbrucks Zentrum mit seinen steilen Dächern leicht zu erkennen ist, sind ja eine Vision, die „Aufzeichnung eines Traums“, wie Uli Olpp es formulierte. „Der Architekt hat die Aufgabe, den Schatz des Lebens zu heben.“ Jeder Bauherr wünsche sich etwas Besonderes, dabei sei es auch wichtig, die bauliche Präsenz im Umraum nachhaltig und ressourcenschonend zu verwirklichen, dabei Geborgenheit, Schutz und Heimat schaffen. Oder: „Schön soll es ein, aber kosten darf es nichts,“ wie Robert Ilg die Realitäten des Städtebaus zusammenfasste.

Erste Skizzen könnten, so Uli Olpp, dabei helfen, die Vision aus dem Kopf auf das Papier zu bringen und auch für die Auftraggeber sichtbar zu machen. „Die Zeichnung ist die Sprache des Architekten“, zitierte er das Credo der kanadischen Architektur-Ikone Louis Kahn.

Und Zeichnungen gibt es viele zu sehen: konzeptuell, versponnen und baufertig. Exponate von Bernhard Olpp, seinem Sohn Uli Olpp, von Eduard Kappler, Hans Hesselbach die faszinierenden, Transparenten „Schichten eines Zeichentischs“. Klaus und Sebastian Thiemann zeigen im oberen Stockwerk Wege von der ersten Idee bis zu Schlüsselfertigkeit, ebenso gibt es Ideen, die nie verwirklicht wurden, wie Eduard Kapplers Rathauserweiterung und Uli Olpps originelle „Beziehungs-Kisten“, ein Wettbewerbsbeitrag für den „Garten für Verliebte“ in Meran

 

Ästhetisch enorm ansprechend sind die Zeichnungen und Gemälde von Louis Fiedler. Die Arbeiten des Vorfahren von PPG-Pädagogin Monika Mergler hatten den Anstoß zur Ausstellung gegeben und füllen nun das Erdgeschoss. Ausgewählt von Uli Olpp und Kunsterzieherin Karin Plank-Hauter und entliehen aus dem Stadtarchiv Nürnberg unter Mitwirkung von Maria Horn vom Amt für private Überlieferung zeigen sie bauliche Details ebenso wie ganze Häuser. Monika  Mergler erzählte launig und lebhaft aus dem Leben ihres 1878 geborenen Großonkels, der das typische Leben eines jüngeren Sohnes mit weniger Verantwortung und mehr Möglichkeiten zur Verwirklichung eigener Träume führen durfte. Seine Karriere als Architekt, ausgebremst durch den ersten und letztlich beendet durch den zweiten Weltkrieg wird durch Skizzen, Gemälde und Handwerkszeug wie den Aquarell- und Zirkelkasten nachgezeichnet.

 

Die Ausstellung ist bis zum 17. Juli jeweils Samstags und Sonntags von 15 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ins Kunstmuseum im Torwärterhäuschen der Amberger Straße 2 ist frei. Über Spenden freut sich das ehrenamtlich arbeitende Team.

 

 

Fotos:

 

Fiedler Kurhaus: Im Jahr 1903 entwarf Architekt Louis Fiedler ein Kurhaus. Die Tuschezeichnung ist mit Aquarell koloriert.

 

Fiedler Skizze: Aus den Reiseskizzenbüchern des lebensfrohen Architekten Louis Fiedler stammt diese Tuschezeichnung von 1895.

 

Louis Fiedler Wohnhaus: Sein prächtiges Wohnhaus in der Nürnberger Meuschelstraße hielt Architekt Louis Fiedler 1912 in Gouachefarben fest.

 

Zirkel Louis Fiedler: Das Arbeitsgerät eines Architekten des vergangenen Jahrhunderts: eine Sammlung von Zirkeln aus dem Nachlass von Louis Fiedler.

Impressionen von der Eröffnung am 28. April 2022

KUNST IM FLUSS WAR ZURÜCK

WERTVOLLER DOPPELKATALOG 2019/2020 FÜR 20 EURO ERHÄLTLICH

Kunstobjekte in-an-über der Pegnitz, das ist in Hersbruck bereits ein Erfolgsformat. Coronabedingt musste die dritte Runde der Freiluftkunstausstellung pausieren- nun konnte sie nach 2018 und 2019 wieder stattfinden. 24 deutsche und italienische Kunstschaffende haben sich die malerisch durch Hersbruck mäandernde Pegnitz als Inspirationsquelle genommen. Es gab auf dem Wasser schwebende Luftkissen mit einem Shakespeare-Zitat, mit anmutigem Ernst die Brücke zum Wassertor bewachende, mit Kettensäge ausgesägte Holzfiguren, skurrile Wasserfuhrwerke, eine klingende und scheppernde Maschinerie im Mini-Wasserfall, Spiel mit den Spiegelungen und vieles mehr. Als besonderes Schmankerl gibt es zum dritten Geburtstag der von Christoph Gerling initiierten und kuratierten und vom Team des Kunstmuseums Hersbruck ehrenamtlich realisierten Schau einen reich bebilderten Doppelkatalog 2019/2021 mit Informationen zu den Künstlern und Künstlerinnen und ihren Werken. Die Eröffnung mit dem Erstverkauf des Katalogs war am 13. August.

Der wertige und sehr ästhetische Doppelkatalog ist für 20 Euro erhältlich. Sprechen Sie uns an!

 

Das Team des Kunstmuseums Hersbruck trauert um Vittore Bocchetta, der im Alter von 102 Jahren in seiner Heimat in Bologna verstorben ist. 2019 durften wir anlässlich seines 100. Geburtstages eine Ausstellung seiner Werke im Kunstmuseum realisieren und Vittore Bocchetta hatte sich mit einer hellwachen Videobotschaft zugeschaltet.

Sein wacher Geist, sein Mühen um Versöhnung, sein Wirken als Zeitzeuge und sein Kunstschaffen wird uns fehlen.


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