Eröffnung am Mittwoch, 26. Oktober um 18 Uhr. Öffnungszeiten Freitag bis Sonntag 10 bis 16 Uhr

Was ist wichtig?

 

Künstlermitglieder des Kunstmuseums zeigen Positionen im Hirtenmuseum

 

Es sind komplizierte Zeiten und für Kunstschaffende keine leichten. Künstlerinnen und Künstler stellen sich die Frage: „Was ist wichtig?“und die noch bangere Frage: „Sind wir als Kunstschaffende noch wichtig? „WICHTIG!“ ist das Thema der Jahresausstellung der Künstlermitglieder des Kunstmuseums Hersbruck und in fast fünfzig Arbeiten, die in den Räumen des Hirtenmuseums bis zum 15. Januar zu sehen sind, spiegelt sich wider, was die Künstler aus Hersbruck und Umgebung bewegt.

 

In anrührender Weise gradlinig ist Hersbruckerin Anke Hahns Bleistiftzeichnung mit dem Titel „Was mir wichtig ist“. Sie hat ihre Katze gezeichnet, etwas zu essen und zu trinken und eine Gasleitung. Grundbedürfnisse und die Sehnsucht nach Gemeinschaft möchten gestillt werden.

 

Reiner Zitta aus Pühlheim beantwortet in gewohnt schlitzohriger Weise die Frage, wem er wichtig sei mit dem Satz „Vier meine Omas bin ich wichtig/ und die Waschmaschine, sagen´s“, stellt er Enkel und Elektrogerät nebeneinander. Ein zahnlückiges Kleinkind in Unterhöschen, Schnürstiefelchen und Matrosenkäppi, und darüber die ebenso zahnlückigen Omas, alles ausgesägt aus Fundholz und bemalt.

Walter Bauer aus Nürnberg baut seine Bilder dieses Jahr aus Worten „WICHTIG WIEDER NICHTS WICHTIG“ liest man da.

Martin Scheder aus Kursberg erinnert dran, dass bei allem eingebunden Sein in die Probleme des Hier und Jetzt der Blick zurück nicht fehlen darf, um Perspektive zu gewinnen. „Geschichte ist wichtig“, betont er und verbildlicht das mit seinen unvergleichlichen künstlerischen Mitteln: er baut geschichtliche Ereignisse aus gesammelten Tierknochen nach. Dass Werke von solchem Ernst und ein gewisser Morbidität einem ein Lächeln entlocken können, erstaunt und hängt vielleicht mit dem quirligen Erfindergeist des Skulpteurs zusammen und den Rätseln, die er aufgibt.

Sigrun Albert aus Engenthal möchte mit intuitiven roten Tempera- und Pigmentspuren auf Papier, die auf seltsame Weise menschlichen Silhouetten gleichen, innere Zustände in diesen aufwühlenden Zeiten sichtbar machen.

Christoph Gerling aus Deckersberg hat drei auf den ersten Blick identische, intensiv bekritzelte  Türen auf seinen Morgenspaziergängen in Lyon fotografiert. Zwischen den Fotografien vergeht Zeit und in dieser kommen weitere Kritzeleien dazu. Auch der Künstler hat noch Pastellspuren hinterlassen. 

Ingrid Pflaum, die als Leiterin des Hirtenmuseums und als 2. Vorsitzenden des Fördervereins Kunstmuseum Hersbruck die zahlreich erschienenen Gäste herzlich begrüßte, zeigt mit ihrer Farbfeldmalerei, wie wichtig der meditative und achtsame Malvorgang für sie selbst ist.

Agathe Meier aus Reichenschwand legt den Finger in eine weitere offene Wunde unserer Zeit und nennt ihr Bild „Lebensräume erhalten“. Ihr brennender Baum als Symbol für dieses brennende Anliegen ist so schön gemalt, dass man sich diese umweltpolitische Aussage glatt übers Sofa hängen möchte. Karin Plank-Hauter nennt ihre filigran aus empfindlichem Papier gebauten und hauchfein bemalten Natur-Altärchen „Kleine Gebete“, Gebete vielleicht um das Bestehen der Naturschönheiten, die noch nicht aus unserer Welt verschwunden sind. Ellenbacherin Melanie Hehlingers temperamentvolle Kritik an Sexismus und patriarchalen Strukturen, „Uterus Riots“ enthält eine Anspielung auf die russischen Punk-Aktivistinnen Pussy Riot und plädiert vehement und tagesaktuell für Frauenrechte und Selbstbestimmung.

 

Jedes Werk in der an Facetten reichen Schau trifft eine Aussage, etwas, das derzeit wieder in die Kunst zurückkehren darf. Mitmenschen werden als wichtig genannt und ihre Zerbrechlichkeit thematisiert, der Frieden als Wunschziel kommt vor, die Wichtigkeit von Werten, Selbstfürsorge und positiven Glaubenssätzen, vom guten Leben miteinander, vom Achthaben aufeinander.

Die einen Werke sind leichter zu lesen, andere sprechen durch ihre  Wirkung auf den Betrachter.

 

 

Bürgermeister Robert Ilg appellierte in seiner Begrüßung in diesen ganz besonderen Ausstellungsräumen der Stadt an alle Kulturliebhaber: „Wir müssen uns auch aufraffen und Kulturveranstaltungen besuchen, wenn wir möchten, dass die Künste und Künstler überleben!“. 

Die anwesende Künstlerszene nützte die Gunst der Stunde, um nach langer Zwangspause wieder miteinander und mit Kunstfreunden ins Gespräch zu kommen. Auf dem Weg aus dem Museum verabschiedete von der Fassade der Scheune Christian Oberlanders Lichtmalerei „Nicht so wichtig!“ die heimwärts Gewandten.

 

Die Ausstellung „Wichtig!“ Ist bis zum 15. Januar im Hirtenmuseum, Eisenhüttlein 7 in Hersbruck jeweils Freitag bis Sonntag von 10 bis 16 Uhr zu sehen.

 

Fotos:

Ganz genau hinsehen lohnt sich bei Melanie Hehlingers „Uterus Riots“./Viel zu entdecken gibt es auf Ina Schillings Trytichon „Roter Rock“./Malerei und Skulptur vereint in Gerd Meingasts zweiteiliger Arbeit „Leidende“.

Sonnige Eröffnung der Ausstellung

Wuchtige Werke

 

Der renommierte Künstler Werner Knaupp zeigt im Kunstmuseum Hersbruck eine verdichtete Schau aktueller Arbeiten

 

 

„Sie haben mir bestimmt die abenteuerlichste Ausstellung meines Lebens beschert!“, wandte sich der Maler Werner Knaupp an den Leiter des Kunstmuseums Hersbruck, Uli Olpp. Das will etwas heißen, denn Werner Knaupp hat bei den Großen und mit den Großen ausgestellt. Und nun sind die Ausstellungsräume so klein, dass bis kurz vor der Eröffnung nicht feststand, ob die größten Arbeiten, die je im Torwärterhäuschen des Spitals zu sehen waren, überhaupt durch Tür und Treppenhaus passen. Das Treppengeländer musste weichen, um für die nötigen letzten Millimeter Raum zu schaffen. Das Ergebnis ist eine Bilderschau, die dem Betrachtenden nahe rückt und kein Ausweichen zulässt, weder optisch noch thematisch. „Die Enge in den Räumen zwingt mich dazu, mit radikaler Konsequenz nur das Wesentliche zu zeigen,“ erläutert Knaupp selbst. Und dieses Wesentliche hat Wucht, wie Prof. Dr. Daniel Hess, Generaldirektor des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg, es in seiner Laudatio formuliert: „In Werner Knaupps Werk begegnen sich Ozean und Vulkan, Wasser und Fels elementar, immer wieder aufs Neue. Knaupp geht es um das Ganze: um das Essentielle und Ursächliche, um das Werden und Vergehen, um Leben und Tod, wobei der Tod kein Endstadium bezeichnet, sondern wieder zu neuem Leben führt.“ „FEUER WASSER LEBEN“ ist die Ausstellung betitelt und wie es sich zwischen den glühenden Lavaformationen im Obergeschoß und der kabbeligen See im Untergeschoß und anfühlt, das beschreibt Dr. Daniel Hess eindringlich: „Wie Ertrinkende suchen wir mit einem letzten Blick den schmalen weißen Horizontstreifen an der oberen Bildkante des bleiern schwarz daliegenden Wassers, bevor wir im Schwarz des tiefen Ozeans versinken… Werner Knaupp sagt, dass er mit seiner Arbeit dort beginne, wo die Worte fehlen. Das, womit sich die meisten Menschen nicht beschäftigen wollen, macht er zu seinem zentralen Thema: das Sterben und Vergehen, den Tod.“

Die Intensität des Schaffens an den durchweg jungen Arbeiten und die Auswirkungen auf Knaupps Atelier beschreibt Hess augenzwinkernd so: „Die ausgeworfene Lava überzieht Schuhe, Farbeimer und Möbel, überschwemmt das gesamte Atelier. Vorsichtig setzt man als Besucher den nächsten Schritt, um Schuhe und Hosen zu schonen und nicht in ein noch feuchtes Bild zu treten.“

Knaupp jedenfalls ist von der Anordnung seiner Bilder begeistert: „Hersbruck muss endlich begreifen, welch ein Kleinod es mit dem Kunstmuseum hat!“, lobt er auch die ehrenamtlich erbrachte Arbeit des Museumsteams.

Eine große Anzahl Kunstliebhaber hatte sich zur Eröffnung versammelt und drängte ins Museum, um die Arbeiten, die noch nie im Umraum zu sehen waren, zu betrachten. Ein tieferes Erlebnis versprechen die Öffnungszeiten der kommenden Wochen bis zum Ausstellungsende am 11. Dezember. Jeweils Freitag und Samstag von 16 bis 18 Uhr kann man die Ausstellung in der Amberger Straße 2 in Hersbruck besuchen und die Gemälde in Ruhe auf sich wirken lassen. Auch eine Aufsicht kann gerne übernommen werden. Sonntags können ausschließlich Führungen gebucht werden, die Bedingungen hierfür finden sich ebenso wie die ganze Rede von Dr. Daniel Hess unter www.kunstmuseum-hersbruck.de .

 

Hier die Laudatio von Prof. Dr. Daniel Hess zum Nachlesen

Ausstellung Kunstmuseum Hersbruck
Werner Knaupp: Feuer – Wasser - Leben, Eröffnung 9. Oktober 2022

Daniel Hess

Hast Du den Gipfel erreicht, dann klettere weiter, besagt ein tibetisches Sprichwort. Werner Knaupp hat immer weitergemalt, nach den Kugelschreiberbildern, den Verbrennungen, den Bergen, den Blumen, den Westmännerinseln und nun den Vulkanen und Totenschädeln. 

Dass Kunst nicht nur an der äußeren Erscheinung verhafte, sondern auch in das Innere, in den Kern vordringen müsse, war künstlerischer Anspruch seit der Frühen Neuzeit. Seit dem 18. Jh. galt dies auch für das neu entstehende Landschaftsbild. Die Natur sollte in ihrer tiefsten Bedeutung, in ihrem eigentlichen Sinn wiedergegeben werden. Die Bilder von Vulkanausbrüchen sollten etwa den vulkanischen Ursprung der Erde visuell belegen. Im Zeitalter Goethes traten mit diesen Bildern die Plutonisten gegen die Neptunisten an, die behaupteten, dass alle Gesteine aus einem Ur-Ozean entstanden seien. 

Warum erwähne ich das? In Werner Knaupps Werk begegnen sich Ozean und Vulkan, Wasser und Fels elementar, immer wieder aufs Neue. Knaupp geht es um das Ganze: um das Essentielle und Ursächliche, um das Werden und Vergehen, um Leben und Tod, wobei der Tod kein Endstadium bezeichnet, sondern wieder zu neuem Leben führt. Diesem Werden und Vergehen sind auch die Bilder unterworfen: Nur wenig hat Bestand, Altes wird übermalt: So verglühte Blume um Blume seiner Fotoserie aus den Jahren ab 2012 im Schlund eines brodelnden Vulkans, der seinerseits zum Totenschädel mutierte. Die Bilder lagern sich wie Sedimente auf den immer wieder neu verwendeten Bildträgern ab. 

Knaupp ist entschiedener Plutonist, sein Atelier ein Vulkan: Über Boden, Wände und Möbel verteilen sich die Spritzer glühender Lavafetzen und vulkanischer Bomben. Über den Boden fließt glutrot-gelbe Lava, auf der die gerade in Arbeit befindlichen Gemälde glühend schwarzer Schädel wie erkaltende Lavafelder treiben. Im Vulkaninneren wird das Feuer täglich neu geschürt, werden die über Nacht an der Oberfläche verkrusteten pyroklastischen Ströme neu verflüssigt. Die ausgeworfene Lava überzieht Schuhe, Farbeimer und Möbel, überschwemmt das gesamte Atelier. Vorsichtig setzt man als Besucher den nächsten Schritt, um Schuhe und Hosen zu schonen und nicht in ein noch feuchtes Bild zu treten. Ein Ufer ist nicht in Sicht; wild mit Farbspritzern übersät ist auch der weiße Vorhang, der den Blick in den von Barbara Knaupp liebevoll gepflegten Garten und weiter hinaus in die fränkische Landschaft asketisch aussperrt. 

Werner Knaupp sagt, dass er mit seiner Arbeit dort beginne, wo die Worte fehlen. Das, womit sich die meisten Menschen nicht beschäftigen wollen, macht er zu seinem zentralen Thema: das Sterben und Vergehen, den Tod. Das Bewusstwerden der eigenen Sterblichkeit war die Funktion eines auf Askese und die Absage an alles Weltliche ausgerichteten christlichen Lebens schon in Mittelalter und Barockzeit. In den Darstellungen der Vanitas und der Begegnung von Lebenden und Toten, im Totentanz oder den gruseligen, nurmehr mit Hautfetzen bekleideten Tötlein-Figuren fand das Erkennen der eigenen Vergänglichkeit seinen bildlichen Ausdruck. Auch Knaupps Werke sind Memento-mori-Bilder, die uns zu einer Auseinandersetzung mit den letzten Dingen zwingen.
Es überrascht daher wenig, dass die hinterste Ecke seines Ateliers der Meditation über die Vergänglichkeit dient: ein rotblauer Rietveld-Stuhl vor acht Totenschädeln vor einem Gemälde der Westmänner-Inseln im Süden Islands. Sie haben ihren Namen von irischen Sklaven, die ihre Herren erschlagen hatten, auf die Inseln flüchteten und dort später ebenfalls erschlagen wurden. Ihre Schädel liegen nun am Strand vor den sich überschlagenden Fluten, in Knaupps Atelier.

Die Inseln selbst sind Überreste eines größtenteils submarinen Vulkansystems, dessen verglühte und erodierte Magmaschlote nun als Tuffkegel aus dem tosenden Nordmeer emporragen. Von den Vulkanen hat nur das ehemals flüssige, dann erstarrte Innere der Erosion standgehalten. Was flüssig war, wurde Fels und wird nun vom Meer umbrandet, das an den Vulkanresten nagt. Diese Inseln und das tosend und donnernd an die Inseln schlagende Wasser ist das thematische Zentrum der Hersbrucker Ausstellung. Das Erdgeschoss wird von stürmisch aufgepeitschten Wellen überflutet, mitunter ist der Wind so stark, dass er die Wellenkämme glattstreicht. Wie Ertrinkende suchen wir mit einem letzten Blick den schmalen weißen Horizontstreifen an der oberen Bildkante des bleiern schwarz daliegenden Wassers, bevor wir im Schwarz des tiefen Ozeans versinken. 

Maler und Betrachter werden selbst zum Wasser, ein Prozess, den Werner Knaupp am Beispiel eines von ihm in Tokio beobachteten Mönchs beschreibt, der sich in höchster Konzentration dem Malen von Schilfrohr widmete, Blatt um Blatt neu ansetzte und schließlich nur noch den das Schilf bewegenden Wind malte; während des Malens war der Mönch selber zum Schilf geworden.
Leinwand um Leinwand, in gleichbleibenden Formaten ließen Knaupp im 2002-2012 entstandenen Zyklus der Westmänner-Bildern selber zum Wasser zu werden, dem er als elementares Erlebnis, vor allem in seinen existentiellen, bedrohlichen Formen mit breit ausgreifendem Pinsel mit dem eigenen Körper bis zum Ertrinken Ausdruck zu geben versuchte. Er habe mit diesen Bildern das Malen von Grund auf neu lernen müssen, immer wieder, bis zum Umfallen.   

Auch viele Gemälde aus dieser Serie haben keinen Bestand; im Atelier warten sie an die Wand gestapelt auf ihre Übermalung. Bei unserem Besuch im Juni liegt eines dieser Bilder auf dem Boden und zeigt sich mit ersten Schichten noch feuchter Malerei. Die Leinwand hängt schwer durch; die Keilrahmenleisten zeichnen sich in der glänzenden Oberfläche ab. Was nun folgt, ist nicht ohne Risiko und trägt das Scheitern in sich, wie ein vom Künstler an der Stirnwand seines Präsentations- und Archivraumes sorgfältig arrangiertes Stillleben verdeutlicht. Unter den explodierenden Vulkanausbrüchen und glühenden Lavaströmen liegt ein an seinem Gewicht von zentimenterdicken Farbschichten und Übermalungen zerbrochenes, dann zerschnittenes Bild mit dem geborstenen Keilrahmen. Auf der Rückseite der Leinwand ist vermerkt: „Werner Knaupp / Westmännerinseln / 7.10.08“ (doppelt durchgestrichen); verzeichnet ist auch das Format „240 x 155 cm“. Im August bot sich dieses vor den unversehrten Westmänner-Bildern liegende Bilderwrack wie ein an den Klippen zerschelltes Schiff dar; sorgfältig vom Künstler inszeniert. 

 

Die Begegnungen mit Werner und Barbara Knaupp sind immer wieder ein Erlebnis: Auch bei diesen Begegnungen geht es um das Ganze: um Berge, Vulkane und das Meer als elementare Erlebnisse. Wir tauschen uns aus. Wo die Worte enden, beginne er zu malen, sagt Werner Knaupp. Ich belasse seine Bilder jenseits der Worte, gebe keine Einordnung oder Gebrauchsanweisung. Im Atelier versuche ich, das Erlebte, Gehörte und Gesehene visuell zu erfassen, taste mich heran:

Auf einem mit schwarzer Farbe übergossenen Holzsockel liegen ein pyramidenartiger Felsbrocken, der auf das lange und große Interesse des Malers an den Bergen hinweisen mag, daneben ein von Gletscher und Bach rundgeschliffener Stein; stammt er gar von der Küste der Westmännerinseln? und ein Totenschädel mit klaffendem Loch hinter der rechten Augenhöhle. Im Hintergrund dieses Stilllebens hantiert Werner Knaupp an den Bildern, die an der langen Präsentationswand gestapelt sind. Er schiebt die Kulissen für das Stück, das er seinen Besuchern gerade präsentiert.

Für zwei Monate füllen nun einige seiner Bilder das Hersbrucker Kunstmuseum aus. Beim Betrachten wird Besucher selbst zu Wasser und Vulkan. Es erwartet Sie ein elementares Erlebnis! 

 

Vielen Dank

 

Provinz findet im Kopf statt

 

Den weltweit ausgestellten Künstler Werner Knaupp zieht es ausgerechnet in Hersbrucks winziges Kunstmuseum- Ein Atelierbesuch

 

Er müsste in einer der Metropolen wohnen, wo die Kunst sich ständig selbst erneuert und die Kultur keine Pause macht. Doch Werner Knaupp hat die Großstadt als Quelle der Inspiration für seine Kunst nie gebraucht und wird sie nie brauchen. Ihn interessieren allein die Kraft und Energien der Natur weltweit. Wer den Maler Werner Knaupp besucht, darf sich auf die Suche nach dem Dörfchen Ernhofen mitten im Alt-Nürnberger Land machen, wo die Strasse kurz nach seinem Anwesen endet. Werner Knaupp ist ein weit gereister Mann - es geschah allerdings auch, dass die Welt zu Werner Knaupp kam. Weltberühmte Musiker, Bergsteiger, Menschen aus Industrie und Politik, Kollegen, Museumsdirektoren und auch der Bundespräsident Walter Scheel waren zu Besuch im Atelier.

 

 

Der 1936 geborene Maler Werner Knaupp hat sich immer wieder an die Grenzbereiche des menschlichen Lebens vorgewagt, dorthin, wo viele nicht hindenken oder gar hinschauen möchten. Das Geheimnis um den Tod, über den in seinem Elternhaus nie geredet wurde, ließ ihn lebenslang nicht los. Knaupps Reisen in extreme Landschaften wie das ewige Eis, Gebirge, Wüsten und Vulkane, die „Schaltstellen der Erde“, an die er sich gefährlich nahe heran begab, sind nur ein Aspekt. Die Arbeit in einem Nervenkrankenhaus in Bayreuth, im Krematorium in Nürnberg und im Sterbehaus der Mutter Teresa in Kalkutta waren ebensolche Versuche, die Grenzbereiche menschlicher Existenz - und die eigenen Möglichkeiten - auszuloten: psychische Erkrankungen, das Sterben und was danach kommen mag. Nicht nur hinauszuschauen, sondern auch in sich hinein, um zu sehen, wie er reagiert, war und ist Knaupp wichtig, dabei habe er unheimlich viel gelernt. Heute sagt der 86-Jährige: „Das Sterben ist der spannendste Moment des ganzen Lebens. Wir wissen nicht, woher wir kommen und wohin wir gehen, doch wir wissen, dass die Natur eine ständige Umwandlung von Energie bedeutet. „Meine vordergründige Furcht vor dem Tod ist verschwunden“, so Knaupp. Die Einschränkungen, die mit dem Alter kommen, kämpft er energisch und zuweilen ungeduldig nieder.

 

Wer denkt, im Haus eines so existentiell in seiner Malerei forschenden Künstlershabe die Lebensfreude keinen Platz, der irrt. Im großen Wohnraum mit dem unverstellten Blick in die mittelfränkische Weite und zu den vor Dekaden selbst gepflanzten Obstbäumen, zeigen der Maler und seine Frau Barbara die Zeichnungen ihrer Enkelkinder, die seit Jahren einen Ehrenplatz im Raum einnehmen. Hier hängen sorgfältig ausgeführte Bleistiftporträts und witzige Bildergeschichten. Ums Eck dann wieder große Leinwände mit den Worten „Mord“ und „Abuse“ (Missbrauch), in denen sich Knaupp mit Zuständen in der Gesellschaft und der Kirche kritisch auseinandersetzte. Noch einmal ums Eck hängen und lehnen Werke seiner berühmten Künstlerkollegen, mit denen Knaupp ausgestellt und Werke getauscht hat. „Ein Stück Identität“, merkt Knaupp an.

 

Zum Atelier geht es steile Stufen hinab und durch farbbesprenkelte Vorhänge fällt Licht auf die neuesten Arbeiten. Auf lebhaften, atmosphärischen Oberflächen pulsieren starke Kontraste zwischen feurigen Gelb- und Rottönen und einem tiefen Schwarz. Die Eruptionen eines Vulkans sind zu erkennen. Auf die auf dem Atelierboden liegenden Malgründe wird mit Acrylfarbe gegossen und gespritzt. Das erzeugt einen anderen Eindruck als gemalte Flächen, die Schüttungen wirken spontan, organisch. Die vielen Schichten machen die Bilder sehr schwer. Der mit Farbe zentimeterdick besprenkelte Atelierboden legt Zeugnis vom intensiven Schaffensprozess ab. Erst bei näherer Betrachtung und im richtigen Licht tauchen aus tieferen Regionen der Farbschichten die Umrisse von Totenköpfen wie eine Erscheinung hervor. Um deren Form hat Knaupp jahrelang gerungen. Seine Frau Barbara, die sich seit Beginn ihrer im Studentenalter begonnenen Beziehung um die vermeintlich profaneren Seiten des Kunstschaffens ihres Mannes kümmert, ist auch eine hoch geschätzte Kritikerin.

 

 „Wenn Innen und Außen in einem Gemälde identisch sind, dann ist ein Bild vielleicht fertig“, so Knaupp. 50 Jahre sind seit einem Aufstieg zum Ätna vergangen, damals beobachtete er einen Ausbruch „in seiner überirdischen Pracht“ aus allernächster Nähe, seine Knie zitterten, das Erlebnis hat ihn nie mehr losgelassen. Auch der Beinahe-Sturz aus dem Helikopter beim Überfliegen eines Vulkans auf Hawaii ist unvergesslich. Die Eindrücke von damals sind bei Werner Knaupp so frisch, dass sie sich in diesen aktuellen Arbeiten Ausdruck suchen. „Das sind Erlebnisse, die nach innen wachsen,“ stellt der Künstler fest. „Zunächst bedeutet ein Vulkanausbruch Tod. Flora, Fauna und Menschenwerk werden vernichtet.“ 

Es geht jedoch nicht um Tod und Sterben per se: im Angesicht der Endlichkeit aller Dinge intensiviert sich das Leben. Knaupps Gemälde sprühen vor Energie und Lebenskraft, das klingt im Titel der in Hersbrucker geplanten Ausstellung „Feuer - Wasser - Leben“ an.

Im Kunstmuseum werden die „Feuer“-Gemälde im Obergeschoss zu sehen sein, im Erdgeschoß „Wasser“-Bilder. 

Mit diesen konfrontiert, dauert es nur wenige Augenblicke, bis die in grau, weiß und schwarz gehaltenen „Seestücke“ mit aufgewühlten Wellen und den markanten Felsformationen der Westmännerinseln ein Gefühl des Ausgesetztseins in den Elementen hervorruft, ein Schaukeln in der Magengrube, kühle Gischt fast auf der Haut zu spüren - so monumental, so bewegt, so kraftvoll sind diese Gemälde.

Die unvergesslichen Eindrücken unter Wasser, als er auf Hawaii in einer Tauchkapsel die lichtlose Tiefe erreichen konnte, hat Werner Knaupp begriffen, dass ab einer Tiefe von 100 Metern die Dunkelheit absolut wird. „Die Ozeane sind alle schwarz, die Spiegelung auf der Oberfläche ausgenommen.“

Da begann er 2002 spät in seiner Laufbahn überhaupt erst zu malen. Vorher gestaltete er Skulpturen, zeichnete mit Pastell und in seiner gewohnten Intensität auch mit dem eher ungewöhnlichen Medium des Kugelschreibers. 

Zehn Jahre brauchte er, um Wasser zu malen. „Ich male nicht nur, was ich sehe, sondern was ich weiß!“.  Es gibt Leinwände, die komplett schwarz sind, nur die Bewegung, der Sog des Elements Wasser ist haptisch zu erfühlen und wird im richtigen Licht sichtbar wie ein aus dem Fluss geschöpftes Viereck.

„Ich musste zum Wasser werden,“ so formuliert es Knaupp, „manchmal war ich fast seekrank“.

Die Professur an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg stellte in seinem Kunstschaffen eine Zäsur dar. Seine Engagement für die Studenten kostete Zeit, für die außergewöhnlichen Reisen mit seiner Klasse, etwa in die Sahara, nach New York und Auschwitz, trieb er enorme Spendensummen auf und stiftete sein Preisgeld vom NN-Kunstpreis.

Im Atelier mit den sorgfältig geordneten Bildbänden, die eigene Interessen, internationale Ausstellungsbeteiligungen und die Ziele einer intensiven Reisetätigkeit widerspiegeln, sticht eine Art „Scheiterhaufen“ aus zerlegten Holzleisten und zerschnittenen, von Farbschichten beschwerten Leinwandfragmenten ins Auge, von Knaupp bewusst gestaltet. „Kunst bedeutet Scheitern,“ sagt er dazu, „nach oben ist immer Luft!“.

 

Die Erlebnisse dieses intensiv gelebten Lebens können gar nicht alle erzählt werden. Vom „Atelier auf 3000 Meter“ erzählt Werner Knaupp, fast schwärmerisch beschreibt er die Schönheit von Mondnächten auf der Zugspitze, wo er ein Atelier hatte, ermöglicht vom Vorstandsvorsitzenden der Zugspitzbahn, Dr. Peter Hirt. Und erzählt davon, wie er dann mit dem damaligen Leiter der Kunsthalle Nürnberg, Dr. Lucius Grisebach die „Galerie der Bayerischen Zugspitzbahn“ ins Leben rief.

Von der 18 000-Kilometer-Reise 1974 mit Fotojournalist Dieter Blum und Dr. Karl-Ernst Buck im VW-Bus von Dhakar durch die gesamte Sahelzone bis Mombasa am Indischen Ozean, bis Kapstadt und ans Kap Hoorn und der Verhaftung durch die Schergen Idi Amins. Abenteuer, die heute kaum mehr vorstellbar erscheinen. Eine Reise voller Eindrücke, die in Knaupps erfolgreichste Schaffensperiode fiel.

 

Und wie kommt es nun, dass ein Maler, der in Galerien und Museen in ganz Deutschland, auf der Documenta und auch international vertreten war und ist, im Kunstmuseum einer Kleinstadt wie Hersbruck ausstellt, das an Quadratmetern zu den kleinsten Schauorten überhaupt zählen dürfte? Die posthume Werkschau seines Malerkollegen und Freundes Walter Raum 2020 in Hersbruck, für die er dort die Laudatio hielt, überzeugte ihn von der ambitionierten Arbeit des ehrenamtlichen Museumsteams. Und, so antwortet er auf die verwunderte Nachfrage: „Provinz findet im Kopf statt!“.

 

Die Ausstellung mit Werken Werner Knaupps findet vom 9.Oktober bis 11. Dezember im Kunstmuseum Hersbruck im Torhüterhäuschen in der Amberger Straße 2 statt. Zur Eröffnung der Ausstellung am Sonntag, den 9.Oktober um 11 Uhr sprechen Dr. Daniel Hess, Generaldirektor des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg und Uli Olpp, Leiter des Kunstmuseums Hersbruck. Die Ausstellung in der Amberger Straße 2 in Hersbruck wird Freitag und Samstag von 16 – 18 Uhr geöffnet sein, Sonntags nur mit vorheriger Anmeldung und Buchung einer Führung(siehe oben!)

FEUER - WASSER - LEBEN

 

Der Künstler Werner Knaupp stellt im Kunstmuseum Hersbruck aus

 

Der vielfach preisgekrönte deutsche Maler und Bildhauer Werner Knaupp hat in ganz Deutschland und der Welt ausgestellt, seine Reisen haben ihn weit über die komfortablen Reiseziele unserer Zeit hinausgeführt und Grenzerfahrungen an den unbehaglichsten Orten der menschlichen Existenz haben sein Schaffen geprägt. Seine malerischen Interpretationen der Elemente Feuer und Wasser zeigt er nun für 8 Wochen im Kunstmuseum Hersbruck.

Mit temperamentvollen, durch Schüttungen erreichte Farb-Eruptionen tastet er sich an die feurige Kraft eines Vulkanausbruches heran, für seine haptischen Wellen und Strömungen rund um das Phänomen Wasser genügen ihm Schwarz und Weiß. Die räumliche Beschränkung im Torwärterhäuschen am Spitaltor kann ein besonders intensives Erleben der kraftvollen, gleichzeitig auf das Todbringende der Elemente und die Lebenskraft dahinter hindeutenden Gemälde ermöglichen.

 

Zur Eröffnung der Ausstellung am Sonntag, den 9.Oktober um 11 Uhr sprechen Dr. Daniel Hess, Generaldirektor des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg und Uli Olpp, Leiter des Kunstmuseums Hersbruck. Die Ausstellung in der Amberger Straße 2 in Hersbruck dauert bis 11. Dezember und wird Freitag und Samstag von 16 – 18 Uhr geöffnet sein, Sonntags nur mit vorheriger Anmeldung und Buchung einer Führung. Kontakt zur Terminvereinbarung und Preise  werden rechtzeitig an dieser Stelle veröffentlicht!

 

Werkfotos von Annette Kradisch

WICHTIG!

EINLADUNG ZUR MITGLIEDERAUSSTELLUNG 2022 MIT DEM THEMA: WICHTIG!

 

DIE AUSCHREIBUNG FINDEN SIE OBEN IN DER NAVIGATION UNTER DEM REITER WICHTIG! 

Regionale Kunst unter dem Hammer

 

Zum zweiten Mal wurde zugunsten der Kunst in Hersbruck eine Versteigerung abgehalten

 

 

„Zum ersten, zum zweiten und zum Dritten…“, Auktionator Götz Reichel lässt den Hammer auf sein Pult krachen und hat ein weiteres Kunstwerk verkauft. Bei der zweiten Runde der Kunstversteigerung zugunsten der Kunst im Öffentlichen Raum in Hersbruck zog die Auktion mehr Bieter an, die sich lebhafte und gut gelaunte Bieterstreite lieferten. Rund 50 Werke hatten regionale Kunstschaffende gespendet und auch die Kunstszene von Ferrara steuerte Einiges bei.

 

 Die Künstlerinnen und Künstler, die Initiator Christoph Gerling um einen Beitrag gebeten hatte, profitieren von der Versteigerung nur sehr indirekt: wenn Formate wie „Kunst im Fluss“ und der „Kunstspaziergang“ weiterhin existieren, bieten sie auch Ausstellungsmöglichkeiten. Ganz direkt profitieren die Kunstliebhaber: sie konnten am gestrigen Abend wieder Schnäppchen machen. Kunstauktionen haftet das Etikett „elitär und teuer“ an, in Hersbruck zu Unrecht. Wurde ab und an die Schallmauer von 100 Euro für ein Originalwerk durchbrochen, gab es „Ohs und Ahs“ im Publikum. Götz Reichel scherzte zwar, er nehme auch Tausender, doch das teuerste Werk, ein mittelformatiges Ölgemälde von Luise Oechsler, kam für 160 Euro unter den Hammer. Dazulernen war auch möglich, und zwar ganz umsonst: Christoph Gerling erklärte seinem lernwilligen Auktionator Götz Reichel, dass es bei Kunstwerken nicht „bunt“ heiße, sondern „farbig“, erläuterte das Prinzip des Siebdrucks und des Holzschnitts und bot im Plauderstil Anekdoten zu den Kunstschaffenden. Heiße, wenn auch immer gut gelaunte Bieterstreite entbrannten etwa um ein Porträt in Öl von Nora Matocza oder einen kleinen Siebdruck von Ramona Wagner. Ein großformatiges Ölbild von Gerd Meingast ging an eine begeisterte neue Besitzerin und auch der Holzschnitt von Heinz Thurn mit dem schönen Titel „Machen wir es jetzt in der Nacht oder am Tag?“ fand ein neues Zuhause. 

Rund 1800 Euro zählte am Ende des Abends Gastgeberin Ingrid Pflaum vom Hirtenmuseum, die selbst auch ein dreiteilige Farbfeld-Malerei verkaufen konnte, zusammen. „Das machen wir wieder!“, versprachen sich die Initiatoren. Dann lassen sich vielleicht noch mehr Kauflustige anlocken.

 

 

 

 

Rückblick bei Cool Jazz und Häppchen

 

Das Kunstmuseum Hersbruck holte den zwanzigsten Geburtstag um zwei Jahre verspätet nach

 

Dieser Veranstaltungsort war für die Jubiläumsfeier des Kunstmuseums Hersbruck ein Geheimtipp und bei den hohen Temperaturen einer der angenehmsten Orte, um sich aufzuhalten: im Graben zwischen dem seit 22 Jahren bestehenden Kunstmuseum und der Mühlstraße warfen die hohen Mauern der Stadtbefestigung angenehmen Schatten, es wurden mediterrane Häppchen angeboten und Gerlinde Berger und Dieter Serfas boten an der Sektbar prickelnde Getränke an. Wie eine sanfte Prise wehte die lässige Jazzmusik von Saxophonist Achim Goettert durch den Stadtgraben, die Formation „Faces“ mit Peter Pelzner an der Gitarre, Hendrik Gosmann am Bass und Charles Blackledge am Schlagzeug groovte die zahlreich erschienenen Gäste in Sommerstimmung. Im Museum selbst waren nur für einen Tag illustrierte Gedichte von der Original Hersbrucker Bücherwerkstätte zu sehen und Restbestände aus dem Kunstomat Hersbruck konnten zum Schnäppchenpreis erworben werden. Der Rückblick auf zwanzig Jahre Ausstellungen im Kunstmuseum plus zwei Jahre Corona-Zeit, in der keine Festivitäten möglich waren, wurde durch Plakate dokumentiert. Viele Wegbegleiter schauten vorbei, um diesem Kulturort unter angenehmsten Bedingungen die Ehre zu erweisen.

 

Warum kein Kunstspaziergang 2022?

 

2020 konnte das Jubiläum coronabedingt nicht gebührend gefeiert werden. Statt dessen hatte sich das Team des Kunstmuseums ein neues Ausstellungsformat einfallen lassen. Ein „Kunstspaziergang“ sollte möglichst allen Bürgern einen niederschwelligen Zugang zu Kunstwerken ermöglichen und Künstlern der Region eine Ausstellungsmöglichkeit in Pandemiezeiten 

bieten. 

So waren mit 44 Kunstwerken ein abwechslungsreiches Kunst-Flanieren quer durch die Stadt möglich. Diese großen Erfolge wollte das Team des KMH eigentlich auch diesen Sommer 2022 wieder mit einem Kunstspaziergang wiederholen. Da jedoch der Kunstwettbewerb ErinnerungsRÄUME des Dokuvereins mit seinen beeindruckenden künstlerischen Ideen und Kunstinterventionen weit in den Sommer hinein reicht, wurde mit der Stadt Hersbruck vereinbart, im Öffentlichen Raum keine weitere Kunstausstellung in diesem Jahr zu planen, die dann in Konkurrenz mit diesem wichtigen Thema treten würde.

 

 

Die Sprache des Architekten 

 

Kunstmuseum Hersbruck zeigt Zeichnungen aus 150 Jahren von Architekten aus Hersbruck und Umgebung 

 

„Was hat eine architektonische Zeichnung mit Kunst zu tun?“ und in der Folge: „Was haben Architekturzeichnungen im Kunstmuseum verloren?“ Leicht provokante Fragen, gestellt von Museumsleiter Uli Olpp, selbst als Architekt ausgebildet, zur Eröffnung der neuen Schau „Architektur Zeichnung“ im Kunstmuseum Hersbruck. Die Fragen waren angesichts der ästhetischen handkolorierten Zeichnungen von Louis Fiedler fast schon beantwortet. Auch einen Bezug zu Hersbrucker Architekturträumen stellt die Ausstellung in Form der Diplomarbeit von Eduard Kappler her.

 

„Wenn die Vorstellung von Eduard Kapplers feudalem Rathausbau verwirklicht worden wäre, bräuchten wir uns heute über die Gestaltung von Plätzen im Stadtraum keine Gedanken zu machen- es wären nämlich keine mehr da“, scherzte Bürgermeister Robert Ilg angesichts des imposanten L-förmigen Baus mit Säulengängen zum Rauenbusch-Gebäude und einem Torbogen zur Poststrasse, das sich Eduard Kappler in seiner Diplomarbeit 1937 vorgestellt hatte. Doch die kleinformatigen, präzise gezeichneten Pläne, in denen Hersbrucks Zentrum mit seinen steilen Dächern leicht zu erkennen ist, sind ja eine Vision, die „Aufzeichnung eines Traums“, wie Uli Olpp es formulierte. „Der Architekt hat die Aufgabe, den Schatz des Lebens zu heben.“ Jeder Bauherr wünsche sich etwas Besonderes, dabei sei es auch wichtig, die bauliche Präsenz im Umraum nachhaltig und ressourcenschonend zu verwirklichen, dabei Geborgenheit, Schutz und Heimat schaffen. Oder: „Schön soll es ein, aber kosten darf es nichts,“ wie Robert Ilg die Realitäten des Städtebaus zusammenfasste.

Erste Skizzen könnten, so Uli Olpp, dabei helfen, die Vision aus dem Kopf auf das Papier zu bringen und auch für die Auftraggeber sichtbar zu machen. „Die Zeichnung ist die Sprache des Architekten“, zitierte er das Credo der kanadischen Architektur-Ikone Louis Kahn.

Und Zeichnungen gibt es viele zu sehen: konzeptuell, versponnen und baufertig. Exponate von Bernhard Olpp, seinem Sohn Uli Olpp, von Eduard Kappler, Hans Hesselbach die faszinierenden, Transparenten „Schichten eines Zeichentischs“. Klaus und Sebastian Thiemann zeigen im oberen Stockwerk Wege von der ersten Idee bis zu Schlüsselfertigkeit, ebenso gibt es Ideen, die nie verwirklicht wurden, wie Eduard Kapplers Rathauserweiterung und Uli Olpps originelle „Beziehungs-Kisten“, ein Wettbewerbsbeitrag für den „Garten für Verliebte“ in Meran

 

Ästhetisch enorm ansprechend sind die Zeichnungen und Gemälde von Louis Fiedler. Die Arbeiten des Vorfahren von PPG-Pädagogin Monika Mergler hatten den Anstoß zur Ausstellung gegeben und füllen nun das Erdgeschoss. Ausgewählt von Uli Olpp und Kunsterzieherin Karin Plank-Hauter und entliehen aus dem Stadtarchiv Nürnberg unter Mitwirkung von Maria Horn vom Amt für private Überlieferung zeigen sie bauliche Details ebenso wie ganze Häuser. Monika  Mergler erzählte launig und lebhaft aus dem Leben ihres 1878 geborenen Großonkels, der das typische Leben eines jüngeren Sohnes mit weniger Verantwortung und mehr Möglichkeiten zur Verwirklichung eigener Träume führen durfte. Seine Karriere als Architekt, ausgebremst durch den ersten und letztlich beendet durch den zweiten Weltkrieg wird durch Skizzen, Gemälde und Handwerkszeug wie den Aquarell- und Zirkelkasten nachgezeichnet.

 

Die Ausstellung ist bis zum 17. Juli jeweils Samstags und Sonntags von 15 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ins Kunstmuseum im Torwärterhäuschen der Amberger Straße 2 ist frei. Über Spenden freut sich das ehrenamtlich arbeitende Team.

 

 

Fotos:

 

Fiedler Kurhaus: Im Jahr 1903 entwarf Architekt Louis Fiedler ein Kurhaus. Die Tuschezeichnung ist mit Aquarell koloriert.

 

Fiedler Skizze: Aus den Reiseskizzenbüchern des lebensfrohen Architekten Louis Fiedler stammt diese Tuschezeichnung von 1895.

 

Louis Fiedler Wohnhaus: Sein prächtiges Wohnhaus in der Nürnberger Meuschelstraße hielt Architekt Louis Fiedler 1912 in Gouachefarben fest.

 

Zirkel Louis Fiedler: Das Arbeitsgerät eines Architekten des vergangenen Jahrhunderts: eine Sammlung von Zirkeln aus dem Nachlass von Louis Fiedler.

Impressionen von der Eröffnung am 28. April 2022

KUNST IM FLUSS WAR ZURÜCK

WERTVOLLER DOPPELKATALOG 2019/2020 FÜR 20 EURO ERHÄLTLICH

Kunstobjekte in-an-über der Pegnitz, das ist in Hersbruck bereits ein Erfolgsformat. Coronabedingt musste die dritte Runde der Freiluftkunstausstellung pausieren- nun konnte sie nach 2018 und 2019 wieder stattfinden. 24 deutsche und italienische Kunstschaffende haben sich die malerisch durch Hersbruck mäandernde Pegnitz als Inspirationsquelle genommen. Es gab auf dem Wasser schwebende Luftkissen mit einem Shakespeare-Zitat, mit anmutigem Ernst die Brücke zum Wassertor bewachende, mit Kettensäge ausgesägte Holzfiguren, skurrile Wasserfuhrwerke, eine klingende und scheppernde Maschinerie im Mini-Wasserfall, Spiel mit den Spiegelungen und vieles mehr. Als besonderes Schmankerl gibt es zum dritten Geburtstag der von Christoph Gerling initiierten und kuratierten und vom Team des Kunstmuseums Hersbruck ehrenamtlich realisierten Schau einen reich bebilderten Doppelkatalog 2019/2021 mit Informationen zu den Künstlern und Künstlerinnen und ihren Werken. Die Eröffnung mit dem Erstverkauf des Katalogs war am 13. August.

Der wertige und sehr ästhetische Doppelkatalog ist für 20 Euro erhältlich. Sprechen Sie uns an!

 

Das Team des Kunstmuseums Hersbruck trauert um Vittore Bocchetta, der im Alter von 102 Jahren in seiner Heimat in Bologna verstorben ist. 2019 durften wir anlässlich seines 100. Geburtstages eine Ausstellung seiner Werke im Kunstmuseum realisieren und Vittore Bocchetta hatte sich mit einer hellwachen Videobotschaft zugeschaltet.

Sein wacher Geist, sein Mühen um Versöhnung, sein Wirken als Zeitzeuge und sein Kunstschaffen wird uns fehlen.


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