Zu einem sehr zugänglichen Thema präsentieren dieses Jahr die Künstlermitglieder des Kunstmuseums Hersbruck ihre vorweihnachtliche Ausstellung: „Gezeichnet“ sind (fast) alle Exponate und beleuchten damit eine der ältesten Kulturtechniken der Menschheit. Bereits in den Höhlen der Vorzeit wurde mit Kohle an die Wände gezeichnet. Bis 22. Dezember zu sehen, die meisten Arbeiten sind käuflich.

 

 

 

Es gibt auch so etwas wie „Raumzeichnungen“ im kleinen Kunstmuseum am Spitaltor: Andreas Hauters geschnitzter „Romantischer Zeichner“ aus Eiche, Gerhard Meingasts Objekt aus Draht, das so fantasieanregend wie sein Name „Paginzavogel“ ist und Anita M. Franz` Skulptur „Gemeinschaft“ aus dunkel glasiertem Ton. Doch die meisten Arbeiten bleiben brav an der Wand und im Rahmen. Im Obergeschoss wuchern allerdings Zeichnungen mit viel Schrift über eine ganze Wand: Fredder Wanoths Tagebuch einer imaginären Person, das er während eines realen Klinikaufenthalts in Hersbruck „aufgezeichnet“ hat, enthält neben den feinen und reduzierten Zeichnungen der Kleinstadt auch allerhand Betrachtungen zu deren Seelenlage.

 

Museumsleiter Uli Olpp legt in seiner Laudatio im vollgepackten Museum allerhand Aspekte der Zeichnung offen. Er spricht von der Abstraktion der Wirklichkeit, die die schwarze Umrisslinie – in der Realität ja nicht existent – darstellt und dass sie doch für die menschliche Wahrnehmung perfekt nachvollziehbar ist. Selbst wenn sie lückenhaft ist, ergänzt das Gehirn auf wundersame Weise die fehlenden Stellen zu einem vollständigen Bild. Die schnelle Gedanken-Skizze, der mit selbstbewusstem Strich hingeworfene Eindruck auf einer Reise, die vorbereitende Zeichnung für einen Innenausbau sind im Museum zu entdecken. Uli Olpp weist darauf hin, welche Möglichkeiten der schwarzen Linie auf dem Papier innewohnen: mit der von ihr transportierten Information kann man Schiffe und Flugzeuge, Häuser, Maschinen und Fabriken bauen.

 

 

 

Auch die autarke Zeichnung als Kunstwerk ist in der Werkschau vertreten. Nora Matoczas zarte „Selbstbefragungen“, kleine Bleistift-Selfies, sind direkt neben Christoph Gerlings fast zum Schwarz ausgefüllten Gesichter mit dem Titel „Zu-Zeichnen zum Offenlegen“ zu finden. Pflanzenportraits, ganz präzise, fast botanisch oder fahrig wie die Aufzeichnungen eines Seismographen den Energiezentren im Garten nachspürend von Lydia Hahn-Lößl. Eine farbige Pinselzeichnung „Selbst mit Maulwurf“ von Heinz Thurn demonstriert eine unbekanntere Zeichentechnik. Daniel Hess zeigt Bergketten, die mit Ölkreiden und Chinesischer Tusche gezeichnet sind und Dieter Serfas´ aus Bleistiftzeichnung und kopierter Schrift und Notenblättern collagiertes Plakat für ein Jazzkonzert hat fast schon historischen Wert. Reiner Zittas total aus der Fantasie entstandene „evalution durch olgarythmus“ rundet die Reihe der Themen ab.

 

 

 

Geöffnet bis 22. Dezember jeweils Mittwoch bis Samstag von 15 bis 18 Uhr und Sonntag von 14 bis 18 Uhr. Amberger Straße 2, direkt am Spitaltor, Eintritt frei.

 

Die diesjährige Mitgliederausstellung der Künstlermitglieder steht unter dem Motto "gezeichnet". Lassen Sie sich einladen, der Frage nachzugehen, ob die Handzeichnung überholt oder eben alles andere als überholt ist!


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