Stammtisch@work lädt zum Künstlerfest im Skulpturengraben

 

 

 

Künstlerstammtisch lässt Tradition des kreativen Feierns einmal mehr hochleben – Live-Musik und Geselligkeit

 

 

 

 Die Halbzeit der Ausstellung „stammtisch@work“ im Kunstmuseum Hersbruck ist vorbei. Um Kraft für den Homerun bis zum Ausstellungsende am 21. Juli zu schöpfen, laden die 11 Künstler zum Künstlerfest rund ums Kunstmuseum in der Amberger Straße 2.

 

 

 

Die Künstlerfeste im Hof der Traditionswirtschaft zum „Roten Ochsen“ führten in unsere beschauliche Kleinstadt auch Performances und Installationen ein. Auch diesmal gibt es Livemusik, allerdings direkt vor und hinter dem Museum, damit man den freien Eintritt in die Werkschau genießen kann. Dieter Serfas, selbst einer der Ausstellenden hat mit „ccARTon“ Vollblutmusiker animieren können, im Graben aufzuspielen: Achim Göttert und Keili Keilhofer, Lars Fischer und Roberto Behrendt spielen sonst in bekannten Gruppen und diesmal mit Dieter Serfas in Hersbruck. Auch Cornelia Effner und ihre „singende Säge“ und Jockel Streeb am Piano tragen zur musikalischen Untermalung bei. Für Essen und Trinken zwischen Open-Air-Kunstwerken ist gesorgt, auch bei schlechtem Wetter kann gefeiert werden, dass der Künstlerstammtisch Hersbrucks Kunstszene seit 30 Jahren pulsieren lässt!

 

 

 

Die Ausstellung ist geöffnet bei freiem Eintritt bis 21.07.2019 Mittwoch, Donnerstag, Freitag, Samstag 15 – 18 Uhr | Sonntag 14 – 18 Uhr. Künstlerfest rund ums Museum in der Amberger Straße 2 am 23. Juni von 14 bis 20 Uhr.

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Gegenteil von Langeweile

 

 

 

Hersbrucker Künstlerstammtisch zeigt Arbeiten aus einem reichen 11-Personen-Schatz im Kunstmuseum Hersbruck

 

 

 

 Mit einer quietschenden Tür im Gasthaus Roter Ochse fing alles an. Von den lose zusammengewürfelten Hersbrucker Künstlern flink mit einem Kännchen Öl behoben, fand der Künstlerstammtisch am Oberen Markt vor 20 Jahren eine Stammkneipe für die seither ungebrochen stattfindenden Mittwochstreffen. Nun kann man die elf Künstler „at work“ (bei der Arbeit) sehen: unter dem Titel „stammtisch@work“ zeigen sie im Kunstmuseum Hersbruck eine Vielfalt von Arbeiten.

 

 

 

Wie bringt man 11 Künstlerpersönlichkeiten mit den unterschiedlichsten Techniken und Ausdrucksformen unter einen Hut, wie gerade im Kunstmuseum Hersbruck zu bewundern? Es ist machbar, wenn die Künstlercrew so aufeinander eingespielt ist wie der seit 20 Jahren existierende Künstlerstammtisch – und wenn der Hut der von Gerlinde Berger ist. Die Silberschmiedin und bekannte Hut-Trägerin hat die vielen Talente schon immer um einen Tisch gebracht und nun ihre Werke in einer ansprechenden und - selbstredend- vielseitigen Schau im Museum gebündelt. Die Künstler, die mit ihren Werken als Urgestein der Hersbrucker Kunstszene gelten können, stellen erstmals im musealen Umfeld gemeinsam aus – auch wenn die Schauen am Kunstmarkt im Stadthaus auch schon in diese Richtung gehen.

 

Museumsleiter Uli Olpp würdigte in einer launigen Rede jeden einzelnen „Stammtischbruder und jede Stammtischschwester“ in ihrer künstlerischen Einzigartigkeit: Gina Bauer, deren Liebe zu Afrika in ihrer Keramik und Malerei zutage tritt, Gerlinde Berger, deren vollendete Silberschmiede-Arbeiten im Obergeschoss funkeln, Manfred Elbert, dessen digital erstellte Traumwelten mit der Zeit gehen, Walburga Herrmann, die trotz kleinen Formats ausdrucksstark in Stein meißelt, Kornelia Klonen, deren farbstarke Arbeiten das müde Auge wachrütteln, Nora Matocza mit ihrer feinsinnigen Malerei, Agathe Meier, die sich durch handgewebte Stoffe und meterlange Holzschnitte arbeitet, Dieter Serfas, dessen Skulpturen aus „Abfall“ das Gewissen des Konsumbürgers anpieksen, Bernd Wagner, dessen Skulpturen es bis in italienische Museen geschafft haben, Fridolin Weis, der in dieser Ausstellung mit ätherischen und fast pointillistischen Fotografien punktet und Ruth Wittmann, deren Kleinkeramiken und Zeichnungen von ihrer meisterhaften Linienführung profitieren. Die eigenwillig improvisierende Musik von Saxophonist Achim Göttert und Dieter Serfas an der Djembe spiegelte die Vielfalt fürs Auge kongenial in Tönen wieder.

 

In wie vielfältiger Weise die nun Ausstellenden in den letzten zwei Dekaden das Kunstleben Hersbrucks geprägt und bereichert haben, lässt sich kaum aufzählen und bemessen. Der seit 2001 stattfindende Kunstmarkt im Stadthaus ist in der Vor-Weihnachtszeit eine feste Adresse für die Liebhaber kunstvoller Geschenke. Mit den dort geladenen Gastkünstlern erweiterte sich diese Institution auf einen Überblick über regionales Kunstschaffen. An die höchst individuell gestalteten Lampenschirme im Roten Ochsen erinnern sich viele noch. Die Künstlerfeste im Hof der Traditionswirtschaft führten in die beschauliche Kleinstadt auch Performances und Installationen ein – neben der üblichen musikalischen und gestalterischen Vielfalt. Inzwischen mischt der Künstlerstammtisch das Café Bauer auf – und nun das Kunstmuseum Hersbruck. Künstler, die man kennt und schätzt und Kunstwerke, die mit ihrer Vielfalt und ihrem Erfindungsreichtum beleben und bereichern – für Hersbrucker sollte der Besuch dieser Ausstellung eine Pflichtveranstaltung sein – langweilen wird sich dort garantiert niemand.

 

 

 

Geöffnet bei freiem Eintritt bis 21.07.2019 Mittwoch, Donnerstag, Freitag, Samstag 15 – 18 Uhr | Sonntag 14 – 18 Uhr. Künstlerfest rund ums Museum in der Amberger Straße 2 am 23. Juni von 14 bis 20 Uhr.

 

 

Blick in die Glaskugel jungen Kunstschaffens

 

 

 

Junge Künstler aus der Region zeigen im Kunstmuseum ihre Sicht der Welt- Klassische Techniken vorherrschend

 

 

 

Videoclips, digitale Zeichnungen oder 3D-Drucke? Wer unter dem Label „Junge Kunst“ entpersonalisierte Machwerke des Computerzeitalters erwartete, wurde angenehm enttäuscht. Meist ganz klassisch mit Zeichenstift, Pinsel und Linolschnittmesser rücken die acht jungen Kunstschaffenden den Themen zuleibe, die sie beschäftigen. Das stieß auf enormes Interesse, wohl weil die Anliegen der nachkommenden Generation wie ein Blick in die Glaskugel „Zukunft“ erhaschen lässt. Die abwechslungsreiche und knackfrische Schau ist noch bis 5. Mai im Kunstmuseum am Spitaltor zu sehen.

 

 

 

Was fesselt den Betrachter an junger Kunst? Karin Plank-Hauter, Kunsterzieherin am Paul-Pfinzing-Gymnasium und somit in täglicher Berührung mit jungen Talenten, macht sich in ihrer einfühlsamen Laudatio viele Gedanken über den Reiz der Unfertigkeit, das unverstellt Persönliche und das zaghaft Tastende des frühen kreativen Schaffens: was bildwürdig ist, was man schön findet und was man fühlt liegt noch ganz obenauf und ist auch nicht ganz leicht den Urteilen fremder Betrachter auszusetzen. Das Interesse der Hersbrucker an ihrem künstlerischen Nachwuchs, das im kleinen Torwärterhaus zu fast beklemmender Enge führte, dürfte für manchen Ausstellenden überraschend gewesen sein. Dabei sind auch schon Ausstellungsprofis dabei:

 

Katrin Brand bespielt allein im März drei eigene Schauen und Gruppenausstellungen. Ihre knospenden Blütenzweige wurden zum perfekten Sinnbild für die sprießende Kunstnachwuchsszene. Sie zeigt in perfekt getaktetem Farbenspiel in freier Malerei ein Drunter und Drüber von lebendigen Flächen und verschiedenen Ebenen, die Vordergrund und Hintergrund gleich wichtig nehmen und gleich schön erscheinen lassen. Ihre raffinierten Spiegelungen werden zum Verwirrspiel fürs Auge.

 

Federica Burzi aus Bologna läuft sich warm für ihre große Einzelausstellung im Stadthaus Ende März und steuert zwei federleichte und hauchzarte Ölskizzen auf Papier bei, deren diffuse Farbflächen durch poetische, gekonnt umrissene Fantasiewesen zu Räumen und Stimmungen definiert werden.

 

Alena Scharrer, die dieser Tage als Meisterschülerin das Studium an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg beendet, bevorzugt ebenfalls die eher ungewöhnliche Technik, mit Ölfarben auf Papier zu malen. Sie geht aber mit ihren Arbeiten von der Wand in die Dreidimensionalität der Installation. Ihre ausgesägten und bemalten Figuren aus einem engen Kreis ihr vertrauter Menschen wirken mit ihrer unbehandelten Rückseite wie eine Kulisse. Sie suggerieren verspielte Anwesenheit und spröde Abwesenheit und machen der malerischen Illusion einen Strich durch die Rechnung.

 

Ebenfalls in den Raum hinein wirken die umgestalteten Stühle Marius Hutzlers. Durch Abbeizen, Reparieren, Schleifen, Bemalen und Bekleben entwickelt sich das Fundstück „Stuhl“ zu der Persönlichkeit, die sie immer schon sein wollte – mit allen Ecken und Kanten.

 

Seit Jahren „angekommen“ in der Kunstszene ist Johannes Stahl, dessen Pseudonym „Joe made this“ eine moderne Entsprechung des altertümlichen „fecit“, der Signatur des Künstlers, darstellt. Seine Zeichnungen in perfekter Ausgewogenheit von Schwarz und Weiß in Holzschnittoptik zeigen Piraten- und Amazonenschlacht als fiese Wimmelbilder für über Achtzehnjährige – möglicherweise auch eine Kritik an immer raueren Umgangsformen in der Öffentlichkeit.

 

Leoš Olpp, der seit 2016 die Bauhausuniversität in Weimar besucht, hat typographische Arbeiten mit politischen Inhalten eingebracht. Er überführt Buchstaben in eine immer reduziertere Form. Seine an die amerikanische Flagge erinnernde Fahne offenbart ein Kunstkonzept, das Stellung bezieht. Denn die Fahne ist mit islamfeindlichen Tweets des amerikanischen Präsidenten Donald Trump beschrieben. Als Hijab verwendet stehen Objekt und Text in einem – gelinde gesagt - Spannungsverhältnis.

 

Die zwei jüngsten Teilnehmer der Ausstellung sind Mathis Hauter und Paul Schober, die beide im vergangenen Herbst ihr Akademiestudium begonnen haben. Bereits das Ergattern der begehrten Studienplätze stellt ein Qualitätskriterium dar.

 

Die fein gezeichneten und sensibel kolorierten, kantigen Figuren von Paul Schober schweben schwerelos im unendlichen Bildraum. Assoziationsketten altvertrauter Dinge erscheinen auf dem Papier und transportieren eine nicht so leicht zu entschlüsselnde Botschaft. Paul Schober legt tatsächlich auch ein mit den technischen Möglichkeiten der digitalen Zeichnung gefertigtes Comicheft vor.

 

Mathis Hauter betitelt seine Häuser mit Landschaft bescheiden als „Übungen“, Probieren und Forschen gehört ja unbedingt an den Beginn eines Kunststudiums. Bisher in Hersbruck eher als Filmemacher aufgefallen ist er als Maler dabei, sich im Dickicht genialer Vorläufer und abwertender Kritik über Idylle und Schönmalerei seinen eigenen Weg freizuschlagen. Auf seinen Ölbildern wuchert die bedrängte Natur über die Bildfläche und das überzivilisierte Umfeld aus Wohlstandshäusern.

 

Die unwiderstehliche Mischung aus frischer Farbe, Nachdenklichkeit, Experimentierlust und vielversprechenden Anfängen wurde sehr passend musikalisch bereichert durch Klezmer-Variationen des ebenfalls noch jungen Komponisten Vahid Matejkos mit Martin Pirner am Klavier und Mira Weigl an der Klarinette.

 

 

 

Zu sehen ist die Ausstellung „Junge Künstler“ bis zum 5. Mai jeweils Mittwoch, Donnerstag, Freitag, Samstag von 15 – 18 Uhr und Sonntag 14 – 18 Uhr im Kunstmuseum Hersbruck, Amberger Straße 2. Eintritt frei, weitere Informationen auf der neu gestalteten Webseite unter www.kunstmuseum-hersbruck.de .

 

Text: Ute Scharrer und Karin Plank-Hauter

 

 

Alles neu macht der März

 

 

 

Junge Künstler eröffnen den Ausstellungsreigen im Kunstmuseum Hersbruck

 

 

 

 Welcher Zeitpunkt wäre besser geeignet, um knospende und vielversprechende Kunst zu zeigen, als das Frühjahr? So lädt das ehrenamtliche Team des Kunstmuseums am 14. März um 20 Uhr ein, acht junge Frauen und Männer  aus der Region beim Sprung in die kalten Gewässer öffentlichen Ausstellens zu begleiten. Bis 5. Mai sind die Arbeiten zu sehen.

 

 

 

Obwohl jung und teilweise noch am Anfang ihres Akademiestudiums stehend, ist es für kaum einen Neuland, seine oder ihre Werke öffentlich zu zeigen.

 

Katrin Brand aus Vorra ist ein Ausstellungsprofi und hat bereits mehrere Kunstpreise gewonnen. In ihren „Pflanzenportraits“ geht sie dem Charakter der jeweiligen Pflanze auf den Grund. Wegen vielfacher Ausstellungstätigkeit im Frühling musste sie drei Pflanzenkonterfeis regelrecht „abzweigen“ für die Schau im KMH.

 

Auch Federica Burzi ist mit ihren vielfachen künstlerischen Aktivitäten keine Unbekannte mehr. Sie hat in Rom, Bologna und Santa Cruz Kunst studiert und stellt trotz ihrer Einzelausstellung im Stadthaus ab 26. März einige Arbeiten für das Kunstmuseum zur Verfügung.

 

Nick Frank aus Lauf ist Autodidakt. Seine künstlerischen „Probeläufe“ versucht er mit einem unkonventionellen Lebensmodell der Selbstversorgung durch Kleinlandwirtschaft zu verbinden.

 

Die kunstvoll veränderten Stühle des Happurgers Marius Hutzler waren bereits mehrfach in Hersbruck und Umgebung zu sehen. Er wird eine Prise Dreidimensionalität in die Ausstellung tragen.

 

Mathis Hauter und Paul Schober, die im vergangenen Herbst an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg zu studieren begonnen haben, verarbeiten die Eindrücke ihres persönlichen Umfelds in Radierungen und Ölbildern.

 

Johannes Stahl, eher bekannt unter seinem Künstler-Label „Joe made this“ mag abgedrehte und wunderliche Motive und hat eine ganz spezielle Technik der Grautöne bei seinen Schwarz-Weiß-Zeichnungen entwickelt. Der 27-jährige ehemalige Student der Georg-Simon-Ohm-Fachoberschule Nürnberg diskutiert gerne mit Betrachtern über Sinn und Unsinn seiner Werke und passt somit gut ins Spektrum der Original Hersbrucker Bücherwerkstätte, die ihn bereits ausgestellt haben.

 

Alena Scharrer aus Hersbruck schließt ihr Studium an der Akademie der Bildenden Künste zeitgleich zur Ausstellung in Hersbruck ab. Aus Holz gesägte und bemalte Figuren sowie Malereien mit Momentaufnahmen aus ihrer Welt machen flüchtige Augenblicke zu kostbaren und zugleich robusten Objekten.

 

 

 

Zur Ausstellungseröffnung am 14. März um 20 Uhr spricht Karin Plank-Hauter, Künstlerin und Kunsterzieherin am PPG Hersbruck, die Musik wird von Mira Weigl und Martin Pirner an Klarinette und Piano kommen. Geöffnet wird die frische Werkschau Mittwoch, Donnerstag, Freitag, Samstag von 15 bis 18 Uhr sowie Sonntag 14 bis 18 Uhr sein , wie immer bei freiem Eintritt.

 

Gemälde von Katrin Brand

 

Vom Hundertjährigen, der eine Botschaft für uns hat

Vom Hundertjährigen, der eine wichtige Botschaft für uns hat

Im Kunstmuseum feiert eine Ausstellung den 100. Geburtstag von Vittore Bocchetta – Jubilar schaltete sich mit einer kurzen Videobotschtschaft zu

 

„Basta Finito!“- die Videobotschaft von Vittore Bocchetta, die aus Anlass seiner Ausstellung zum 100. Geburtstag im Kunstmuseum gezeigt wurde, dauerte nur 45 Sekunden und wurde vom greisen Jubilar mit obigen Worten energisch beendet. Doch die kurze Ansprache hatte es in sich und wurde von der „Geburtstagsgesellschaft“ mit warmen Worten erwidert.

 „Eine Geburtstagsfeier nur um des Geburtstages willen? Das würde für mich keinen Sinn machen!“ - Vittore Bocchetta, der am 15. November in Verona seinen 100. Geburtstag feiern durfte, fand deutliche Worte für ein geplantes Fest zu seinen Ehren. Der Hundertjährige, der zu Zeiten des Nationalsozialismus im KZ Hersbruck inhaftiert gewesen war, überlebt hatte und die Schrecken dieser Zeit in seiner Kunst verarbeitete, hat vielmehr eine Botschaft und die tat er kund. In seiner kurzen Ansprache konnten die Gratulanten im vollgepackten Kunstmuseum hören, was Bocchetta den Hersbruckern und auch den Deutschen zu sagen hat. Freund und Mitarbeiter Sergio Mastrosimone aus Verona war persönlich vor Ort, um zu übersetzen und zu erklären: wie Bocchetta bereits in jungen Jahren die großen Vordenker, die deutschsprachigen Philosophen wie etwa Kant, Schopenhauer und Hegel als „Streichhölzer in der Dunkelheit“ empfand, die ihn auch in seinen schwersten Zeiten über Wasser hielten, damals, als die Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten dieses Licht ausgepustet zu haben schien. „Jetzt“, so Bocchetta, „gibt es hier eine solide Demokratie. Doch was, wenn Europa nun zerbrechen würde?“ Ein weltoffenes Europa sei unabdingbar, um die Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen. Die Verbundenheit in der Vergangenheit müsse auch in die Zukunft wirken, lobte Bocchetta die unermüdliche Erinnerungsarbeit des Vereins Dokumentationsstätte Hersbruck. „Italien braucht Deutschland und Deutschland braucht Italien, oder Verona braucht Hersbruck und Hersbruck braucht Verona!“, ergänzte Sergio Mastrosimone.

 

Schon im Vorfeld hatte Landrat und Bezirkstagspräsident Armin Kroder für ähnliche Werte plädiert, als er seine guten Wünsche für den Jubilar in die laufende Handykamera sprach: „Die Menschen in diesem Raum trifft vielleicht keine Schuld für die Verbrechen der Vergangenheit, sie stehen aber sehr wohl in der Verantwortung, so etwas nicht wieder geschehen zu lassen und Extremismus und Rassismus scharf abzulehnen!“ Kroder sprach dem Verein Dokumentationsstätte Hersbruck und ihrem Vorsitzenden Thomas Wrensch seinen allerhöchsten Respekt aus: zunächst gegen Widerstände hätten sie die Erinnerungskultur in Hersbruck zu einer festen Größe gemacht.

 

Wrensch selbst fand warme und persönliche Worte für „Caro Vittore“, den „lieben Vittore“. Er sei stolz darauf, Bocchetta kennen zu dürfen, auch als Vorbild für kommende Herausforderungen, von denen noch niemand wisse, wie sie aussehen werden. „Ohne Namen sind Sie einst nach Hersbruck gekommen, nun haben Sie einen Namen bei uns!“ würdigte er Bocchetta und forderte als Aufgabe der Gegenwart einen „aufrechten Gang, anzuerkennen, dass jedes menschlichen Wesen unermesslichen Wert habe und alle Menschen der Freude teilhaftig werden könne, die das Leben eben auch beinhalte“. Für diese Aufgabenstellungen sei jemand wie Bocchetta so wichtig, der „uns warnt und uns wach hält für den Lebensauftrag: Werde Mensch!.“

 

 

 

Von der herzlichen Beziehung der so zahlreich erschienenen Gäste mit „ihrem Vittore Bocchetta“ zeigten sich auch Annabelle Lienhart, Historikerin und Mitarbeiterin in der Historischen Abteilung der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg und Volontärin Katharina Winter beeindruckt. Sie hatten es möglich gemacht, dass zahlreiche Arbeiten Bocchettas nun für einige Zeit in Hersbruck zu sehen sein werden. „Es ist auch einfach schön, dass sie mal wieder von vielen Betrachtern gesehen werden,“ so Lienhart.

 

Vittore Bocchetta als den Künstler zu sehen und ehren, der er eben auch war, war das Anliegen von Museumsleiter Uli Olpp. Die Ausstellung mit hochkarätigen Arbeiten, die bis in die Gegenwart reichen, sei lohnend und wichtig, begrüßte er neben Kroder auch Iris Plattmeier, ihren Vater, verschiedene Stadträte und viele Engagierte sowie Barbara Raub, die am Paul-Pfinzing-Gymnasium „gegen das Vergessen“ arbeitet.

 

Ein Abend voller notwendigem Pathos und ohne einen falschen Ton.

 

 

 

Die Hersbrucker können sich die Ausstellung bis zum 27. Januar 2019

 

ansehen und zwar Mittwoch, Donnerstag, Freitag, Samstag von 15 bis 18 Uhr und Sonntag von 14 bis 18 Uhr.

 

Das Kunstmuseum ist vom 24.12.2018 – 08.01.2019 geschlossen.

 

Am Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, dem 27.01.2019 wird die Ausstellung mit einer Finissage und mit musikalischer Begleitung um 16 Uhr beendet.