Der Neujahrsbrief 2019 unseres kleinen Kunstmuseums

 

Für alle Kunstfreunde, Förderer und Mitglieder des Fördervereins KMH e.V.

 

 

 

Das Torwärterhäuschen am Spitaltor ist stadtgeschichtlich und

 

architektonisch ein Kleinod, doch seit es ab 1998 vom Förderverein Kunstmuseum Hersbruck e.V. zur Ausstellungsstätte ausgebaut wurde,

 

ist es darüber hinaus vor allem eines:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein Haus für die Kunst

 

 

 

Das unscheinbare Häuschen ist ein Herzstück für Kultur in der ganzen Region. Hier waren in den vergangenen 18 Jahren über 50 Ausstellungen zu sehen, von hier gingen in dieser Zeit die meisten künstlerischen Aktivitäten der Stadt aus. Das bis zu seiner Erweckung durch Anna. M. Scholz brach liegende Gebäude wird dem Förderverein von der Stadt Hersbruck mietfrei zur Verfügung gestellt, doch darf sich die Kommune zu den Gewinnern zählen. Kunstliebhaber kommen bis weit über die Landkreisgrenzen hinaus und begrüßen jede neue Ausstellung mit großem Interesse. Und jede hatte ihre eigene Magie! Jedes mal, wenn eine neue Hängung vollbracht ist, ist die Freude groß, dass sich alles, was anfangs noch fast unmöglich schien zu platzieren, wunderbar in die kleinen Räume fügt.

 

Was ist das Besondere an diesem „Häuschen für die Kunst“?

 

An vielen Orten entstehen neue Museumsbauten. Ihre Räume sind weiße, universell nutzbare Kuben. Nur das Äußere der Museumsbauten wird auffallend gestaltet, das Innere hat sich den wechselnden Exponaten anzupassen. So etwas können wir nicht einmal ansatzweise von unseren kleinen Räumen erwarten. Diese geben einen ganz spezifischen und kompromisslosen Rahmen vor, unsere rund 50 Exponate pro Ausstellung lassen sich darin gut in Werkgruppen einteilen und voneinander abgrenzen. Die geringe Raumhöhe fördert die Konzentration auf Bilder und Ausstellungsstücke. Meist entsteht dadurch eine ganz individuelle Raumstimmung, und so erleben unsere Mitglieder und die Gäste mit jeder neuen Ausstellung dieses alte Haus immer wieder überraschend und neu.

 

Aber es geht uns selbstverständlich nicht allein um eitle Gestaltungsfreude an Kunstausstellungen unter schwierigen Raumbedingungen. Jeder Ausstellung geht eine Idee und Konzeption voraus. Mit großem Bedacht wählen wir Themen, welche zum einen die regionale Kunstszene abbilden, zum anderen aber auch geschichtlich und politisch relevante Inhalte transportieren.

 

 

 

Auch hier kommt uns die begrenzte Ausstellungsfläche des eigentlich zu kleinen Häuschens entgegen: Da der Kreis der aktiven Mitglieder in einer „Kleinstadt“ wie Hersbruck doch überschaubar ist, müssen wir rein ehrenamtlich Agierenden zusehen, dass Organisation und Gestaltung der Ausstellungen irgendwie leistbar bleiben. Wir können, dem geringen Raumangebot folgend, kleine aber feine, konzentrierte Ausstellungseinheiten planen und realisieren. Die Ausstellungen, die hierbei entstehen, sind auch für kurzentschlossene Besucher und Sonntagsspaziergänger gut einzuplanen und wahrzunehmen. Zumal ein „Freier Einblick“ die Schwelle einladend niedrig hält, um schnell mal „zwischendurch“ zu den Öffnungszeiten das Kunstmuseum zu betreten, sich verführen, verwundern und anregen zu lassen. So wird das Torwärterhaus zu einer Oase der kulturellen Erfrischung im alltäglichen Betrieb der Stadt.

 

Wir würden uns freuen, wenn zu dem Team des Kunstmuseums und den fleißigen Aufsichten auch in diesem Jahr wieder neue Interessierte hinzustoßen. Denn trotz der Freude über die glückliche (kleine) Größe des Museums stehen alle engagierten Mitstreiter im Team immer wieder mal an der Grenze ihrer ehrenamtlichen Leistungsfähigkeit!

 

 

 

Unsere Ausstellungsthemen 2018 waren dabei nicht nur „Wellness für die Augen“ sondern hatten einiges zu bieten und zu verdauen:

 

Zunächst verlagerte TILMAN OEHLER Teile seines Ateliers in die Museumsräume. Ein breites Spektrum künstlerischer Annährungen an persönliche und politische Themen aus 50 Jahren kreativen Schaffens spannte sich in seiner RETRO genannten Show auf.

 

 

 

Danach entführten SCHERENSCHNITTE BIS ZUM CUT-OUT von sechs besonders schneide- und „cut“- erfahrenen Künstlern unserer Region in ihre ganz spezielle Welt. Von unserer eigenen Sammlung von Olga Haunhorst ausgehend war vor allem das „Griebel-Archiv“ mit den Werken des ehemaligen Akademiedirektors Prof. Fritz Griebel und der deutsche Scherenschnitt-Verein, vertreten durch Frau Dr. Buchwald, intensiv an der Gestaltung der Ausstellung beteiligt. Die Künstler Herrman Vilter, Reinhard Wöllmer, Bettina Specht und Daniela Huber bereicherten die Ausstellung mit ihren zeitgenössischen Weiterentwicklungen zum, dem Scherenschnitt verwandten Thema „CUT-OUT“. Die zweiteilige Ausstellung wurde nach der Sommerpause mit Schattentheaterfilmen von Lotte Reininger und der Moritatensängerin Johanna Moll wiedereröffnet.

 

 

 

Bei dieser Ausstellung hat sich wieder die glückliche Zusammenkunft von eigenen Archivbeständen und wertvollen Leihgaben bewährt, wie wir sie 2017 schon mit der Ausstellung „Die Verschollenen“ erfolgreich verbinden konnten. Die Bestände von Bildern und Radierungen von Eitel Klein und Fritz Burckhardt, sowie von Eduard Aigner und Ernst Pflaumer wurden zu unserer Mitgliederversammlung am Michelsberg 2018 mit einer großzügigen Spende an Bildern von EITEL KLEIN entscheidend bereichert. RÜDIGER WELLHAUSEN, der Wittwer der Tochter des Künstlers und die „Galerie mit der blauen Tür“ erwiesen sich als edle Spender! Die Arbeiten, fast ausschließlich aus dem Nachkriegswerk von Eitel Klein, geben uns für das Jahr 2020 die Gelegenheit, in einer erneuten Ausstellung mit wissenschaftlich begleitetem Katalog die „Verschollenen in der Zeit nach dem 2. Weltkrieg“ zu untersuchen. Dazu tragen weitere Schenkungen durch Dr. Enser aus Coburg und Herrn Gutberlet aus Altdorf mit Bildern von Fritz Burckhardt und Eduard Aigner maßgeblich bei!

 

 

Die eigentlich als Ruhezeit geplante Sommerpause hat sich dann 2018 unerwartet betriebsam gestaltet!

 

„AUGENFALTER“ nennt sich eine Gruppe von Buchgrafikern aus Leipzig, die sich auf Einladung der Hersbrucker Bücherwerkstätte zum gemeinsamen Sommerfest von Museum und Buchdruckern für ein Wochenende im Kunstmuseum mit der Präsentation ihrer feinen und meisterhaften Grafiken einquartierte.

 

 

 

Und dann kam „KUNST IM FLUSS“, die rekordverdächtig kurzfristig realisierte Idee einer Freiluft-Ausstellung parallel zum Hersbrucker Gitarrenfest. Nur zehn Tage waren die Arbeiten von 17 heimischen und internationalen Künstlern an den Armen der Hersbrucker Pegnitz zu bewundern. Ideengeber und Motor der Aktion war einmal mehr der erfahrene Künstler und Förderer Christoph Gerling. Ohne dessen hohen Einsatz und dem unseres Förderverein-Teams mit Ingrid Pflaum, Angelika Eisenbrand und Ute Plank, Barbara und Horst Arndt-Henning, sowie weiterer begeisterter Helfer wie Lillo Cammaroto, Walter Bauer und Katja Korobova sowie dem wunderbar reibungslosen Einsatz von Bauhof und Wasserwacht der Stadt wäre dieses innovative und von der Bevölkerung begeistert angenommene Projekt nie entstanden! Zeitgleich krempelte der italienische Künstler PAOLO VOLTA unser Museumsräume für seine zum Fluss-Thema passenden magischen Bilder von Pumpstationen im Po-Delta vor Ferrara um. Die Aktion „KUNST IM FLUSS“ wurde vom Bayerischen Kulturfond, der Regierung- und dem Bezirk- Mittelfranken, dem Landratsamt Nürnberger Land (Leader), dem Landrat, der Stadt Hersbruck, der Raiffeisenbank Hersbruck und der Fürst-Gruppe sowie von privaten Spendern finanziell getragen und in der Hersbrucker-Zeitung umfassend dokumentiert. Dank an alle Unterstützer und Künstler!

 

 

 

Den Mitgliedern war im Herbst die Aufgabe gestellt worden, ihren persönlichen „ROTEN FADEN“ im eigenen Kunstschaffen im K5 zu präsentieren. Es kam eine MITGLIEDER SHOW von hoher qualitativer Vielfalt zusammen! Herzlichen Dank hierzu an Judith Schönhöfer und die Anna. M. Scholz Stiftung!

 

 

 

Parallel dazu war im Kunstmuseum die Ausstellung: „100 JAHRE VITTORE BOCCHETTA“. Zum 100. Geburtstag des Künstlers eröffnete am 15.9.2018 die Ausstellung mit Bildern und Skulpturen, die wir dankenswerter Weise aus dem Archiv der Gedenkstätte Flossenbürg auswählen durften. Weitere Leihgaben kamen von Familie Schön aus Hersbruck. Zur Eröffnung kam Sergio Mastrosimone, von Pfarrer Wrensch, Leiter des Fördervereins Dokumentationsstätte KZ Hersbruck e.V. extra eingeladen, mit einer Videobotschaft des Jubilars aus Verona. Peter Schön, Mitglied des selben Vereins, hat eine bebilderte Biografie des Künstlers, italienischen Wiederstandskämpfers und Hersbrucker KZ Häftlings Bocchetta zusammengestellt, erhältlich noch bis zum Ende der Ausstellung am Sonntag, den 27.1.2019 in unserem Museum. Mit einer musikalisch begleiteten Finissage geht an diesem „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“ die für Hersbruck bedeutende Ausstellung zu Ende.

 

 

 

2019 wird es die folgenden Ausstellungen im KMH geben:

 

Als erstes zeigen wir JUNGE KÜNSTER aus der Region. Ein Kunststudium hat gerade heute für die Jugend wieder eine hohe Anziehungskraft. Dem frischen und engagierten Künstlernachwuchs wollen wir ab Anfang März die Räume im kleinen Torwärterhäuschen öffnen um aktuelle Arbeiten zu zeigen.

 

 

 

Ab Mitte Mai werden dann hier die „Mitglieder des HERSBRUCKER KÜNSTLERSTAMMTISCHs“ einen Querschnitt ihres künstlerischen Schaffens zeigen. Dieser Stammtisch wurde vor 20 Jahren gegründet und hat viel zur Kulturszene Hersbrucks beigetragen. Legendär waren die Künstlerfeste, und sind der beliebte Kunstmarkt im Stadthaus, souverän organisiert von Silberschmiedin Gerlinde Berger!

 

 

 

In der Sommerpause findet während des Gitarrenfestivals zum zweiten Mal „KUNST IM FLUSS“ statt. Wieder wird Christoph Gerling zusammen mit unserem Museumsteam eine besondere, regional und international besetzte Openair Show zusammenstellen. Zu jedem Jahr dieses Events wird eine Kunstpublikation erscheinen, die dann nach drei Jahren einen Katalog zu all diesen Fluss-Installationen ergeben wird. Auf der Turnhalleninsel wird wieder ein „INFO-Zelt“ für die Besucher eingerichtet.

 

 

 

Im Herbst laden wir SIE wieder ein, Ihre „LIEBLINGSKUNST“ im Museum einem größeren Publikum zugänglich zu machen! Das Konzept, Arbeiten aus den privaten Räumen von Kunstliebhabern in der Region für einige Wochen im Museum zu zeigen, hat schon 2012 unter dem Titel: „SLOW ART der verborgene Kunstschatz der Region“ großes Interesse hervorgerufen. Also stellen Sie ihren Kunstschatz

 

(besser gesagt ein Bild oder Objekt) im KMH aus! Ein entsprechender Aufruf wird im Sommer erfolgen.

 

 

 

Den Jahresabschluss im Museum bildet die „Mitgliederausstellung“ zu Thema: „GEZEICHNET“ ab Ende November. Nachdem diese jährlich stattfindende Gemeinschaftsausstellung in den letzten Jahren im Hirtenmuseum und einmal im K5 zu Gast war, zeigen wir dieses Jahr filigrane Zeichnungen unserer Mitglieder wieder einmal im eigenen Haus.

 

Das Hirtenmuseum, unter der Leitung von Ingrid M. Pflaum, stellt ab Sommer 2019 die „Schwarze Kunst“ der „ORIGINAL HERSBRUCKER BÜCHERWERKSTATT“ zu deren 50. jährigen Jubiläum aus!

 

Wieder wird ein prall gefülltes Kunst-Programm das Leben in Hersbruck über das ganze Jahr begleiten! Ein Jahresprogrammblatt mit den genauen Terminen haben wir dem Brief beigelegt.

 

 

 

Wir freuen uns, wenn Sie wieder zahlreich zu unseren Ausstellungseröffnungen kommen und zu den Öffnungszeiten das Angebot des KMH wahrnehmen!

 

 

 

 

 

 

 

Wenn Sie selbst „kunstaffin“ sind und ein bisschen mit Computern umgehen können und gerne in unserem KUNSTARCHIV aktiv werden wollen, melden Sie sich bitte telefonisch oder per Mail! (siehe unten!)

 

 

 

Allen die unsere Arbeit ehrenamtlich oder finanziell unterstützt haben und unterstützen, sagen wir herzlichen Dank und wünschen Ihnen ein gutes Jahr 2019! Im Namen des Teams des KMH

 

Ihr/Euer Uli Olpp